Mittwoch, 15. Mai 2013

11. Kapitel / 2



Wie geht es der kleinen Lady? Deinem Findelkind? Martin überlegte kurz was sie meinte und dann erhellte ein weiches Lächeln sein Gesicht. Ich habe sie zu Jutta und Jasmin gebracht. Dort bekam sie ein Bad mit Ungeziefershampoo und ein Mittel gegen innere Parasiten. Das Welpenaufbaufutter verträgt sie gut und futtert tüchtig in sich hinein. Jasmin massiert die schlimme Beule mehrmals täglich mit einer speziellen Creme. Gestern Abend habe ich sie besucht und denke, wenn Lady nicht krank wird, kann sie es schaffen. Das Fell sieht zwar noch schlimm aus, aber die Kleine ist aufgeweckt und spielt den ganzen Tag. Wenn du möchtest, nehme ich dich einmal mit zu Jutta und Jasmin. Ich glaube, ihr würdet euch gut verstehen. Sie fuhren die Kira nun schon bekannte Strasse in Richtung Santa Barbara de Samanà entlang. Kira fragte, warum die Strassen in so einem schlechten Zustand sind und Martin berichtete ihr, dass im nahegelegenen El Valle derzeit ein Grossprojekt am Entstehen ist. Hier in der Region haben viele Haushalte noch kein fliessendes Wasser und mit der Stromversorgung sieht es auch nicht viel besser aus. Der im Bau befindliche Aquadukt soll das Problem lösen. Deshalb müssen alle Strassen aufgerissen und neue Wasserleitungen zu jedem Haus gelegt werden. Die Dominikanische Republik ist kein reiches Land und es gibt nicht so viele Strassenbaumaschinen. Deshalb dauert es eine ganze Weile, bis die Strassen wieder in ordentlichem Zustand sein werden. Das ist nicht zu ändern, dafür werden in 2 - 3 Jahren alle fliessendes Wasser und Strom haben. Wenn wir durch Santa Barbara de Samanà fahren, kannst du sehen, dass fast jedes Geschäft einen Generator vor der Tür hat. So können, auch bei Stromausfall, die Kunden weiter bedient werden. Kira staunte, das hatte sie nicht geahnt. “Und wo wohnst du? fragte sie ihn. In einem ruhigen Stadtteil am oberen Rand der Stand. Und ja, ich habe fliessendes Wasser. grinste er. Auf meinem kleinen Haus steht ein Wassertank, deshalb ist es für mich nicht so schlimm, wenn es mal tagelang kein Wasser gibt. Bei der Elektrizität ist es etwas anderes. Am Tag ist meistens für einige Stunden Stromausfall. Aber ich arbeite ja den ganzen Tag über und abends gibt es in der Regel Strom. Er sah, dass Kira in Gedanken versuchte sich vorzustellen ohne ganztägig Strom und Wasser zu leben. He, es ist nicht wirklich schlimm. Ich habe mich schon so daran gewöhnt, dass es mir kaum noch auffällt. lachte er. Aber Kiras Blick blieb skeptisch. Sie hatten Santa Barbara de Samanà erreicht und Martin zeigte und erklärte ihr Alles was sie sahen. Unterwegs hielt er kurz an und kaufte Getränke und heisse Empanadas. In einer Apotheke besorgte er für Kira Erkältungsmedizin, denn ihr Niesen wollte einfach nicht aufhören. Dann fuhren sie über eine Buckelpiste am geplanten Hafengelände entlang und erreichten bald darauf ihr Ziel. Während Martin den Jeep parkte, schaute Kira neugierig um sich. Am Strand eines grossen 5-Sterne-Hotels begann der Weg zur Brücke und über hunderte von Stufen gelangten sie auf den höchsten Punkt eines kleinen bewaldeten Berges. Hier beginnt die Brücke. Es war zu sehen, dass ihre besten Tage schon lange zurück lagen. Das ehemals vorhandene Geländer fehlt fast vollkommen, Reste einer Beleuchtung gammeln vor sich hin und auch der Beton bröckelt an manchen Stellen ganz gewaltig. Du brauchst keine Angst haben, die Brücke ist immer noch sicher, auch wenn es nicht unbedingt so aussieht. Komm! sagte Martin zu Kira und nahm sie an der Hand. So schlenderten sie händchenhaltend über die Brücke und Kira schaute auf das tief unter ihnen liegende Meer. 



Neugierig wie es weitergeht?

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