Montag, 10. Juni 2013

18. Kapitel / 3


Schnell zog sie ihre Kleidung von gestern wieder an und als sie zu Carlos trat, konnte sie schon wieder lächeln. Auf der Terrasse, hoch über dem im Morgenlicht glitzernden Fluss, nahmen sie ein reichhaltiges Frühstück zu sich und Kira fühlte sich danach viel besser. Als sie Altos de Chavòn verließen, drehte sich Kira in ihrem Sitz um und schaute lange auf den immer kleiner werdenden Fluss. Carlos, der fühlte, dass es in Kira drunter und drüber ging, hielt sich zurück und so legten sie weite Strecken der Rückfahrt schweigend zurück. Beide hingen ihren Gedanken nach, aber es war kein bedrückendes Schweigen. Als sie ungefähr drei Viertel des Weges hinter sich gelassen hatten, hielt Carlos auf einem kleinen Parkplatz an. “Komm, Seesternchen, ich möchte dir etwas zeigen!” Er nahm Kiras Hand und nach wenigen Schritten bot sich ihnen ein atemberaubender Ausblick. Sie standen hoch über dem Meer, das sich an riesigen Felsen Gischt aufspritzend brach. Die Bäume um sie herum standen in voller Blüte und es duftete herrlich. Das Meer erschien unendlich weit und am Horizont verflossen Himmel und Wasser zu einer Einheit. Es war ein gigantischer Anblick. Kira holte ihre Kamera aus dem Auto und machte ein paar gute Aufnahmen. Carlos zog sie in seine Arme und küsste sie. “Danke, Carlos, danke dass du mir gestern so einen wundervollen Tag und Abend geschenkt hast! Und dieser Ausblick hier…” Kira verstummte und Carlos erwiderte: “Nein Kira, ich danke dir, du machst mich zum glücklichsten Mann der Welt und die fantastische Nacht mit dir war etwas ganz Besonderes für mich.” Kira zog es vor, darauf nicht zu antworten und sie setzten ihre Fahrt fort. Bald erreichten sie Las Galeras und Carlos begleitete Kira bis zu ihrer Zimmertür. Er küsste sie zum Abschied und gab ihr die CD von “Il Divo” die sie gestern Nacht gehört hatten. “Damit du unsere wundervolle Liebesnacht nicht vergisst!” sagte er leise und Kira musste heftig schlucken, als sie an die Nacht mit ihm erinnert wurde. “Sehen wir uns heute Abend?” fragte er und Kira konnte nur nicken. Als sie die Zimmertür hinter sich schloss, lehnte sie sich mit dem Rücken dagegen und musste erst einmal tief durchatmen. Als plötzlich ihr Zimmertelefon klingelte, blieb Kira vor Schreck das Herz stehen. Aber es war nur Samantha, die fröhlich fragte, ob sie rüber kommen darf. Kurz darauf begrüssten sich die Freundinnen, als hätten sie sich Wochen lang nicht gesehen. Sammy sah Kira natürlich sofort an, dass irgendetwas nicht im Lot war und sie drängte Kira: “Los erzähl schon wie war es? Du guckst, als ob gleich die Welt untergeht!” Die beiden machten es sich auf der Terrasse bequem und Sam holte schnell noch eine Cola und zwei Gläser. Dann berichtete Kira von dem wirklich tollen Ausflug nach Santo Domingo. Sie erzählte alles ganz genau, damit Sam sich ein gutes Bild machen konnte. Kira redete von der Überraschung und der Fahrt nach Altos de Chavòn, dem grandiosen Konzert und sie liess auch nicht aus, dass sie sich von Carlos nach allen Regeln der Kunst hatte verführen lassen und den besten Sex ihres Lebens gehabt hatte. Mit ihrem inneren Kampf und der heutigen Rückfahrt beendete sie ihren Bericht. “Wow!” war erst einmal Alles was Sammy dazu sagen konnte. Nach ein paar Schweigeminuten fragte sie dann: “Was daran ist nun so schlimm, dass du so fertig bist?” Und Kira antwortete: “Ich habe mich ehrlich gut gefühlt mit Carlos, es war ein fantastischer Tag und der Abend hätte auch nicht schöner sein können. Auch der Sex mit ihm… ja, ich habe es mit jeder Faser genossen. Das Schlimme daran ist nur, dass ich nicht wirklich verliebt in Carlos bin und dieser blöde Martin immer wieder durch meinen Kopf geistert. Deshalb fühle ich mich irgendwie schuldig…” “Na hör mal, der Martin meldet sich nicht und du hast Schuldgefühle wegen ihm? Das ist echt blöd! Habt ihr Kondome benutzt?” Als Kira nickte, fuhr Sam fort: “Das ist gut, wenigstens ist er verantwortungsbewusst. Jeder Mensch braucht ab und zu mal Sex, deswegen brauchst du dir nicht so den Kopf zu zerbrechen. Ausserdem ist unser Urlaub leider bald zu Ende und wenn du keinen Kontakt zu Carlos möchtest, lässt du die Sache einfach einschlafen. Und zu deiner Entschuldigung, nachdem Carlos gestern so aufgetrumpft hat, mit tollem Essen, Konzertbesuch, Kerzenschein usw., welche Frau wäre da bitteschön nicht schwach geworden? Aber woher hat ein stinknormaler Animateur so viel Geld? Das Ganze muss ja ein kleines Vermögen gekostet haben! Vielleicht ist der liebe Carlos ja ein steckbrieflich gesuchter Bankräuber?” überlegte Sam. Sie kam aber zu keinem Ergebnis in ihren Überlegungen. Kira fühlte sich nach den aufmunternden Worten ihrer Freundin erleichtert und wollte wissen wie Sam und Miguel den Tag und die Nacht verbracht hatten. Jetzt geriet Sammy ins Schwärmen. Miguel hatte für das Geschäft neue Waren direkt bei einem Kunsthandwerker abholen müssen und sie hatten das Notwendige mit dem Schönen verbunden und einen interessanten Ausflug ins Innere der Insel Hispaniola unternommen. Zuerst waren sie nach San Francisco de Marcoris gefahren und hatten sich in der geschichtsträchtigen Stadt umgesehen. Weiter ging es über La Vega zum Ziel ihrer Fahrt: Jarabacoa. Wegen des ganzjährig frühlingshaften Klimas mit Durchschnittstemperaturen um 21°C wird sie auch “Die Stadt des ewigen Frühlings” genannt. Hier gedeihen herrliche Kiefernwälder die Besucher an die europäischen Alpen erinnern. Der Ort liegt 530 m über dem Meeresspiegel eingebettet in der zentralen Bergkette der Dominikanischen Republik. Durch das Tal fliessen die wichtigsten Flüsse der Republik und weil es hier so fruchtbar ist, werden verschiedene Gemüse, Nüsse, Früchte wie z.B. Erdbeeren, Blumen und der berühmte dominikanische Kaffee angebaut. “Miguel wollte unbedingt Wildwater-Rafting auf dem “Yaque del Norte” machen, aber dafür bin ich nicht zu haben.” erzählte Sam. “Also hat er mir den Wasserfall Jimenoa gezeigt. Der ist richtig gross    und wenn man möchte, kann man da sogar bergsteigen. Auch der höchste Berg der Karibik, der Pico Duarte, ist dort. Ich sage dir, auch ohne Meer- und Strandnähe hat die Dominikanische Republik wahnsinnig viel zu bieten!” Kira war echt überrascht, sie hatte angenommen, die Repùblica Dominicana würde nur für Strandurlauber interessant sein. Sam berichtete weiter: “In einem gemütlichen Restaurant haben wir Mittag gegessen. Es gab für diese Region typische Gerichte und es war super lecker. Danach haben wir Jose, den Künstler, aufgesucht. In seiner kleinen Werkstatt macht er den schönsten Schmuck, den du dir vorstellen kannst. Echt irre!” Und Samantha liess Kira an ihrem neu erworbenen Wissen teilhaben: “Larimar, auch bekannt als blauer Pectolite, ist ein Halbedelstein. Den Larimar findet man hier im Lande nur in einem begrenzten Gebiet und bisher ist weltweit kein anderes Abbaugebiet bekannt. Er repräsentiert einen kleinen Teil der geologischen Geschichte des Landes und wird wegen seiner Fragilität von Hand abgebaut, was harte Arbeit bedeutet. Der Larimar entstand kurz nachdem sich die Insel vor 100 Millionen Jahren aus dem Meer erhob. Über die Jahre wird der Larimar immer mehr als einer der seltensten und originellsten Edelsteine geschätzt.” Kira war ganz baff über die interessanten Informationen. “Du hörst dich an, als ob du ein Larimar-Fan geworden bist!” neckte sie Sammy. “Ja, ich gestehe, ich bin total fasziniert von diesem Halbedelstein und auch davon, was Jose alles für spektakuläre Stücke daraus arbeitet. Du hättest es mit eigenen Augen sehen müssen, um zu verstehen, was ich genau meine.” antwortete Sam.  Auf der Rückfahrt hatten sie noch an verschiedenen interessanten Punkten angehalten und Miguel hatte ihr voller Stolz die Schönheit seines Landes gezeigt. Er hatte ihr auch vom See Enriquillo, der von dem majestätischen Neiba-Tal und der gleichnamigen Wüstenlandschaft umgeben wird, erzählt. Diesen stark salz- und sulfathaltigen See, der als der wertvollste Schatz  der Dominikanischen Republik gesehen wird und einzigartig in der ganzen Karibik ist, würde Miguel ihr zu gerne zeigen. Im See gibt es eine 2600 Hektar grosse Insel, die ein Naturschutzgebiet ist. Vor allem die dort lebenden amerikanischen Krokodile haben es Miguel angetan. Aber leider war die Entfernung zu gross, um einen Abstecher dorthin zu machen. Auch vom Polo Megnètico, wo man entgegen aller Naturgesetze ein Auto aufwärts rollen sehen kann, konnte Miguel Sammy nur erzählen. “Aber er hat mir versprochen, dass er mir Beides zeigt. Du siehst, ich MUSS bald wieder herkommen, sonst kann Miguel sein Versprechen ja nicht einlösen und das geht nun mal gar nicht.” beendete Samantha ihren Bericht. Darüber, wie sie die Nacht verbracht hatten, wollte sie lieber schweigen, aber sie blinzelte Kira vielsagend zu. Vom vielen Erzählen und Zuhören waren sie beide hungrig geworden und beschlossen, erstmal das Buffet zu plündern und ordentlich zuzulangen.


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Sonntag, 9. Juni 2013

18. Kapitel / 2

Der Mond schien hell und es musste eine jener magischen Nächte sein, die man nur selten im Leben empfinden kann. Kira schaute auf den Fluss und träumte immer noch leise summend vor sich hin. Carlos nahm sie in den Arm und küsste sie. Er drückte sie an sich und beide genossen den emotional aufgeladenen Kuss. Es musste an diesem besonderen Abend und der traumhaften Kulisse liegen und Kiras Herz öffnete sich für Carlos. Er spürte die Veränderung, die in ihr vorging und behutsam bemühte er sich weiter um sie. Das Restaurant, in dem sie zu Abend gegessen hatten, gehörte zu einem kleinen, aber sehr feinen Hotel und Carlos hatte ein Doppelzimmer für sie gebucht. Wegen des vielbesuchten Konzertes waren alle Einzelzimmer bereits vergeben und Carlos schlug vor, die Nacht auf dem kleinen Sofa zu verbringen und ihr das Bett zu überlassen. Das Zimmer hatte unebene weiss getünchte Wände und von der Zeit schwarz gefärbte Balken trugen die Zimmerdecke. Ein riesiges Himmelbett und alte sehr gemütliche Möbelstücke bildeten die Einrichtung. Wertvolle Gemälde zierten die Wände und in einer Amphore duftete ein wunderschöner Blumenstrauss. Carlos entzündete Kerzen und öffnete den Champagner, der gut gekühlt bereitstand. Er legte eine CD in die versteckt aufgebaute Musikanlage und die Stimmen der jungen Tenöre von “Il Divo” füllten den Raum. Kira fühlte sich wie im Traum und als Carlos sie in den Arm nahm, tanzte sie versunken mit ihm. Er küsste sie auf den Mund, ihren Hals und knabberte zärtlich an ihren Ohrläppchen. Als er langsam ihre Bluse aufknöpfte, liess sie es geschehen und ihre Erregung steigerte sich zu einem brennenden Gefühl, als er ihre Brüste streichelte und den BH öffnete und zur Seite legte. Er küsste ihre Brüste und streichelte und saugte, dass sie das Gefühl hatte, ihre Beine würden versagen. Er ahnte das wohl und trug sie auf seinen Armen zum Bett. Er küsste jeden Zentimeter ihrer Haut und als er ihre Short öffnete, fieberte Kira seiner Berührung entgegen. Vorsichtig entkleidete er sie ganz und betrachtete ihren nackten Körper geniesserisch. Seine Lippen berührten ihren Bauch und langsam begann er, das goldene Dreieck zwischen ihren Beinen zu liebkosen. Als seine Zungenspitze ihre zarte Knospe berührte, bäumte sich Kira auf, stöhnte lustvoll und klammerte sich an ihn. Auf diese Weise hatte sie vorher noch kein Mann berührt und sie erlebte bisher unbekannte Lustgefühle. Kira öffnete mit stark zitternden Fingern sein Hemd und ihre Fingerspitzen streichelten begehrlich seinen schönen und starken Körper. Er entledigte sich des Restes seiner Kleidung und widmete sich in aufreizender Langsamkeit wieder Kiras Körper. Ihrem Muttermal in Form einer Blüte schenkte er besondere Aufmerksamkeit und Kira schien unter seinen sie sinnlich berührenden Fingern und behutsam saugenden Lippen zu vergehen. Kiras Hände ertasteten nun auch seinen Körper und Carlos stöhnte auf, als sie seine starke Männlichkeit mit bebenden Fingern streichelte und dann fest umschloss. Carlos genoss es sehr, die intimsten Geheimnisse seiner noch recht unerfahrenen Liebsten zu erforschen und sein mit ihr spielender Mund trug Kira fast auf den Gipfel der Lust und sie bot sich ihm, sich windend vor heisser Lust, dar.  Als sie es kaum noch aushalten konnte, streifte er geschickt ein Kondom über und drang mit verhaltener Kraft stöhnend in sie ein. Im Gleichklang bewegten sich ihre Körper und Carlos sie überall aufreizend streichelnde Hände brachten Kira fast um den Verstand. Carlos war ein überaus erfahrener und ausgezeichneter Liebhaber und hielt Kira so lange auf einem äußerst lustvollen Level, bis sie ihm leise, aber heftig stöhnend, zuflüsterte: “Komm, ich zerfließe sonst vor Lust!” Und Carlos liess sich nicht lange bitten und erfüllte Kiras Wunsch. Carlos brachte ihren Körper in völlige Ekstase und Kira erlebte Gefühle, die sie bis dahin nicht gekannt hatte. Sie befand sich in einem derartigen Rausch, dass die Welt um sie herum im Nichts zu versinken schien. Später, als sie sich etwas erholt und mit Champagner abgekühlt hatten, erforschte er von Neuem geniesserisch ihre erogenen Zonen bis sie zitterte und diesmal liebten sie sich wild und leidenschaftlich. Erschöpft schliefen sie im Morgengrauen eng umschlungen ein.  Ein paar Stunden später weckte er sie gutgelaunt: “Mein Seesternchen steh auf, wir müssen bald zurückfahren. Ich würde auch lieber den ganzen Tag mit dir im Bett verbringen…” sagte er mit vor Lust bebender Stimme und liebkoste schon wieder aufreizend ihren Körper. Kira wand sich aus seinen Händen und schlüpfte schnell ins Bad. Carlos hatte schon geduscht und sie war froh, im Badezimmer ein paar Minuten allein sein zu können. Der Zauber der letzten Nacht war verflogen und sie fühlte sich irgendwie schuldig, weil sie mit Carlos geschlafen hatte. Warum konnte es nicht Martin sein, mit dem sie eine wundervolle Liebesnacht verbracht hatte? “Wenn Martin ernsthaft Interesse gehabt hätte, wäre es nie dazu gekommen. Ich hätte nie mit Carlos geschlafen…” sagte sie sich, musste sich aber gleichzeitig eingestehen, dass sie so wie von Carlos, bisher von keinem Mann geliebt worden war und sie seine Zärtlichkeiten sehr gemocht hatte und trotzig warf sie ihre von der Dusche noch feuchten Haare in den Nacken.



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Samstag, 8. Juni 2013

18. Kapitel / 1

Heisse Nacht

Sie ließen die Stadt hinter sich und fuhren Richtung Osten. “Gut, ich verrate dir jetzt wohin wir fahren. Aber alles andere siehst du dann erst vor Ort. Wir fahren nach Altos de Chavòn.” gestand Carlos Kira an Information zu. Dann entschuldigte er sich, er müsse ein paar Telefonate führen und während er in sein Handy sprach, betrachtete Kira die Gegend. Immer wieder konnte sie einen Blick auf die karibische See erhaschen und diesen Anblick saugte sie in sich auf. Sie fuhren durch La Caleta, Boca Chica und Juan Dolio und erreichten bald San Pedro de Marcoris. Kira erinnerte sich daran, dass Carlos an ihrem ersten Abend gesagt hatte, dass es aus dieser Stadt stammt. Er telefonierte aber immer noch oder schon wieder und Kira wollte ihn nicht stören. Als er aufgelegt hatte erzählte er, dass er ursprünglich von hier kommt und er zeigte Kira im Vorbeifahren ein paar Plätze seiner Kindheit. “Meine Familie wohnt aber seit etlichen Jahren in Santo Domingo und ich habe kaum noch Bezug zu diesem kleinen Städtchen. Jetzt kommt als nächstes La Romana und dann haben wir es auch gleich geschafft.” erklärte er. Altos de Chavòn liegt am gleichnamigen Fluss und ist eine der bekanntesten Städte der Dominikanischen Republik. Carlos steuerte zielstrebig eine kleine Gasse an und fuhr einen freien Parkplatz an. Er nahm Kira wieder am Arm und führte sie durch das malerische Städtchen. Sie liefen auf Korallenstein und auch die alten Gemäuer sind aus diesem Material geschaffen. Durch einen schmalen Hofeinlass gelangten sie in den offenen Teil eines Restaurants. Carlos steuerte auf die Terrasse zu und als sie sassen, konnte Kira eine spektakuläre Aussicht auf den Fluss geniessen. “Hier wurden Teile von “Rambo” und “Apocalypse Now” gedreht.” erläuterte Carlos ihr und Kira, die von der Landschaft geradezu überwältigt war, konnte gut verstehen warum. “Es ist absolut traumhaft.” flüsterte sie und Carlos beugte sich zu ihr und küsste sie. Der Kuss war zärtlich und Kira erwiderte ihn genauso. Carlos, der Freude daran hatte, Kira immer wieder  aufs Neue zu überraschen, übernahm abermals die Bestellung. Kira wollte protestieren und sagte, sie hätte nicht viel Hunger. Aber Carlos meinte, dass die Nacht lang werden würde und Kira sich ordentlich stärken soll. Sie tranken einen guten Weisswein und Carlos hatte mit der gemischten Platte aus Flussfisch und Meeresfrüchten wieder ihren Nerv getroffen. Die Sonne ging glutrot über dem ruhig dahin fliessenden Fluss unter und Beide genossen die faszinierenden Momente. “Was für ein schöner Tag!” dachte Kira und war gespannt, was der Abend noch bringen würde. Nach dem gemütlichen Abendessen fuhren sie ein Stück und nun verriet ihr Carlos, was sie bald erleben würden. “Hier gibt es ein wundervolles Amphitheater, das 1982 von Frank Sinatra eingeweiht wurde. So, wir sind da. Heute gibt es ein Konzert von “Il Divo”. Ich hoffe, du hast nichts gegen klassische Musik.” sagte Carlos. Kira erschrak etwas: “Klassische Musik - ganz schön, aber wann hab ich so was das letzte Mal gehört…” dachte sie im Stillen und fühlte sich etwas unwohl. Carlos ging kurz zum Ticketstand und dann führte er Kira zu ihren Plätzen. Kira schaute sich um und war beeindruckt. Das Amphitheater ist richtig gross, wunderschön gestaltet mit alten Säulen und Ruinenstücken und auf der Bühne nahm gerade ein Orchester Platz. Das Licht um sie herum erlosch und als die Bühne in sanftem Dämmerleuchten dalag, betraten vier Herren den Schauplatz. Langsam wurde es heller auf der Bühne und Kira sah vier junge, sehr attraktive Sänger die nun das “Ave Maria” anstimmten. Über Kiras Haut liefen Schauer und sie bekam eine Gänsehaut. Als nächstes folgte “Unbreak My Heart” und Kira fand diese Vertonung fast schöner als das Original von Tony Braxton. Sie applaudierte heftig und Carlos war sehr zufrieden mit sich. Die Musik und das Ganze Drumherum wirkten fast magisch auf Kira und begierig lauschte sie allen Songs. “Il Divo” schaffen es moderne Popmusik so elegant in ein klassisches Gewand zu kleiden, dass auch Nicht-Klassik-Fans einfach begeistert sind.  Die meisten Stücke trugen sie auf Spanisch vor und Kira bedauerte wieder einmal, die Sprache nicht zu verstehen. Es folgten “Feelings”, “The Winner Takes It All”, “La Luna”, “Angelina”, “You Raise Me Up” und einige Titel, die Kira leider nicht kannte. Das Publikum war wie im Rausch und als es zum Ende gehen sollte, wurden immer wieder Zugaben gefordert. Als dann auch noch “Amazing Grace” ertönte, schimmerten Tränen in Kiras grünen Augen und sie drückte Carlos Hand ganz fest. “My Way” war das wirklich letzte Stück und nachdem das Licht schon lange wieder leuchtete, verließen Kira und Carlos langsam die Arena. Kira war von “Il Divo” und der herrlichen Musik restlos begeistert und hätte sich gewünscht, dass das Konzert endlos weitergeht. Ganz verträumt summte sie die letzte Melodie vor sich hin. Carlos bat Kira, kurz zu warten und dann führte er sie zum Parkplatz.


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Freitag, 7. Juni 2013

17. Kapitel / 3


Langsam löffelten die Beiden und Carlos stellte zufrieden fest, dass er wohl Kiras Geschmack getroffen hatte. Dazu tranken sie einen leichten Weisswein. Als nächstes wurde gemischter Salat mit Garnelen und Zitronensahne-Dressing serviert. Während sie noch mit dem Salat beschäftigt waren, wurde ein Wagen neben den Tisch gerollt und vor ihren Augen wurde eine Platte mit verschiedensten gegrillten Fleischscheiben flambiert. Kira hatte das im Fernsehen schon gesehen und war hin und weg. Genüsslich verputzte sie ihr Fleisch und die leckeren Kartoffelbällchen die es dazu gab. Die gereichten Sossen waren einfach ein Gedicht. Kira dämmerte, dass es ein sehr teures Restaurant sein musste, denn auch an den Nachbartischen wurde nur das Feinste vom Feinen serviert. Als Nachspeise hatte Carlos ein Champagnersorbet ausgewählt und Kira war froh, dass er nach den ganzen Leckereien keine fette Sahnetorte geordert hatte. Nach dem köstlichen Mahl lächelte Kira Carlos glücklich an und ihm stand die Freude über die geglückte Überraschung ins Gesicht geschrieben. Kira überlegte schon, ob sie ihr Essen überhaupt bezahlen könnte, aber Carlos übernahm die Rechnung ganz selbstverständlich. Vergnügt schlenderten sie dann über die quirlige Einkaufsmeile und schauten sich gut sortierte Geschäfte und noch weitere Museen an. Vom “Plaza de Espana” hatten sie einen tollen Ausblick auf den Fluss Ozama und den Hafen von Sans Souci. Kira entdeckte ein Kreuzfahrtschiff und wurde einen kurzen Moment wehmütig. Aber Carlos liess ihr keine Zeit für verschwendete Gedanken und schon fuhren sie am Malecòn an all den teuren Luxushotels entlang. Auf der Avenida George Washington bog Carlos in die Einfahrt des Hotels Melià und ein livrierter Page half ihnen beim Aussteigen. Kira hatte keine Zeit zum Überlegen, was Carlos wohl nun vorhatte, denn schon fühlte sie sich wie ins Spielerparadies Las Vegas versetzt. Zum ersten Mal stand sie in einem richtigen Casino und bestaunte die pompöse Pracht mit offenem Mund. Carlos hatte inzwischen Jetons besorgt und führte sie erst einmal in den grossen Sälen herum. Als Kira sich alles eine Weile beguckt hatte, fragte Carlos: “Na, mein Seestern, möchtest du ein Spielchen wagen?” Und sie versuchten es an einem Roulettetisch. Leider war ihnen das Glück nicht sonderlich hold und deshalb probierten sie es an den “Einarmigen Banditen”. Kira und Carlos hatten jede Menge Spass und lachten wie zwei Kinder. Auch wenn sie am Ende alle Jetons verspielt hatten, war es ein einmaliges Erlebnis für Kira. Carlos führte sie zu einer Casino-Bar und Kira hatte plötzlich unheimliche Lust auf einen Kaffee. Als sie auf dem Barhocker sass, merkte sie, dass sie ganz schön kaputt war. Der heisse, starke und süsse Kaffee erweckte ihre Lebensgeister zu neuem Leben und sie fühlte sich rundherum glücklich. “Hättest du Lust heute Abend noch etwas ganz Besonderes zu erleben?” fragte Carlos sie mit flehendem Blick. “Müssen wir nicht langsam zurückfahren?” entgegnete Kira nach einem Blick auf ihre Uhr. “Ich möchte dich an einem ganz besonderen Ereignis teilhaben lassen und wir würden morgen Vormittag wieder in Las Galeras sein. Bitte sag ja, du wirst es garantiert nicht bereuen!” Kira überlegte: “Sammy ist den ganzen Tag und wahrscheinlich auch die Nacht bei Miguel. Was die anderen Vier heute machen, weiss ich nicht. Warum sollte ich also alleine im Hotel herumhocken?! Martin hat sich natürlich nicht gemeldet, also warum denn nicht? Der Urlaub ist bald vorbei und Carlos gibt sich so außerordentlich viel Mühe…” Und zu Carlos gewandt sagte sie: “Ja, klar, verrätst du mir, was wir machen werden?” Carlos fiel ein riesen Felsbrocken vom Herzen und glücklich antwortete er: “Nein, mein kleines Seesternchen, es ist ein grosses Geheimnis. Aber ich bin sicher, dass es dir gefallen wird!” Er hob sie von dem Barhocker und drückte sie kurz an sich und küsste ihre Wange. Dann führte er sie aus dem Casino und sie stiegen in den BMW. Diesmal fuhren sie eine andere Route und Carlos spielte wieder den Reiseführer und erzählte Kira allerlei Wissenswertes über Gebäude, die Stadt und die Dominikanische Republik allgemein. 



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Donnerstag, 6. Juni 2013

17. Kapitel / 2


“Du bist jetzt nicht sauer?” fragte Kira Sammy. “Du dumme Nuss! Warum sollte ich denn sauer sein? Miguel holt mich gegen Mittag ab und in der Zeit bis dahin kann ich ganz gemütlich meinen Koffer packen. Dabei kann ich Hektik nicht gebrauchen. Du siehst, ich komme ganz gut ohne dich aus!” Sam knuffte Kira und setzte hinzu: “Wenigstens ein paar Stunden…” Die Beiden lachten und Kira verabschiedete sich von ihrer Freundin, sie wollte sich schnell noch umziehen. Weil es wieder ein heisser Tag werden würde, zog Kira bequeme weisse Shorts, eine luftige hellgrüne Bluse und flache Gladiatorensandalen an. In das kleine Handtäschchen steckte sie Kamera, Handy und Geld. Ausnahmsweise verspürte Kira Lust sich ein wenig zu schminken und so tuschte sie ihre Wimpern und betonte ihre Lippen mit herrlich nach Himbeeren duftendem Lipgloss. Ein Blick in den Spiegel verriet ihr, dass sie hübsch aussah und zufrieden band sie ihre Haare zu einem hohen Pferdeschwanz zusammen. So, nun war sie perfekt gestylt für eine Citytour. Vor dem Hotel schaute sie sich um, konnte Carlos aber nicht entdecken. “Kira, Süsse! Hier drüben!” rief er und winkte ihr zu. Kira schaute verwundert, sie hätte nicht erwartet Carlos mit einem scheinbar nigelnagelneuen BMW Geländewagen zu sehen. Etwas verwirrt ging sie zu ihm hinüber. Als er ihren kritischen Blick sah, lachte Carlos: “Keine Angst, ich habe mir den Wagen nur ausgeliehen.” Dabei hielt er ihr galant die Autotür auf und half ihr beim Einsteigen. Kira machte es sich in dem weissen Ledersitz bequem und beäugte etwas schüchtern das Innenleben des schicken Wagens. “Wenn ich mit so einer schönen Frau unterwegs bin, muss auch das Auto passen.” bemerkte er, als er hinter dem Lenkrad Platz nahm. “Du siehst heute wieder sehr schön aus!” stellte er fest und küsste ihre Fingerspitzen. Langsam rollten sie vom Hotelgelände. Im Wageninneren war es, dank guter Klimaanlage, angenehm kühl. Kira dachte bei sich: “Ja, so lässt es sich aushalten.” und begann die Fahrt zu geniessen. Bis Nagua fuhren sie auf einer vielbefahrenen Landstrasse und kamen nicht allzu schnell voran. Aber kurz vor Nagua begann die neue Autobahn und nun liess Carlos die Pferdchen laufen. Er erklärte Kira Alles was sie im Vorbeifahren sahen und Kira hörte sehr interessiert zu. Ab und an wurde die rasche Fahrt durch Mautstellen unterbrochen, aber nach eineinhalb Stunden erreichten sie schon die Vororte der Hauptstadt. “Schau dort links, das ist die karibische See.” Wies er Kira auf das sich an Felsen brechende Meer hin. Und dann sah Kira die Skyline von Santo Domingo und war mächtig beeindruckt. Allerdings war der Verkehr mörderisch und Kira hielt sich öfter die Augen zu, wenn die Fahrzeuge scheinbar regellos wild durcheinander flitzten. “Ich könnte hier nie Auto fahren!” rief sie und Carlos schmunzelte darüber. “Man gewöhnt sich daran, es sieht nur so schlimm aus.” beruhigte er sie. Aber Kira sass stocksteif in ihrem Sitz und hielt sich krampfhaft fest. Carlos wies Kira auf allerlei Sehenswertes hin und da Kira nun wieder mit Gucken abgelenkt war, entspannte sie sich etwas. Carlos steuerte den teuren Wagen souverän durch das ganze Gewühl und fand auch relativ schnell einen passenden Parkplatz. Als sie das Auto verließen, schlug ihnen eine regelrechte Gluthitze entgegen und nahm Kira für einen Moment die Luft. Carlos reichte ihr seinen Arm und dankbar hakte sie sich bei ihm ein. Nach wenigen Minuten verließen sie eine Strasse mit herrlichen alten Häusern und vor ihnen lag der Präsidentenpalast: ein schöner weisser Bau mit Kuppeldach in einer blühenden Grünanlage mit majestätischen Palmen. Carlos erzählte Kira ein wenig über die Geschichte des Landes und Kira fotografierte durch die Eisenstreben des Zaunes. Plötzlich ertönte lautes Pfeifen und Knattern und drei Helikopter hoben in rascher Folge direkt vom Landeplatz neben dem Palast ab. Kira gelangen ein paar gute Fotos von den Maschinen und sie freute sich. Bis auf ein paar uniformierte Wachleute gab es keinerlei Sicherheitsvorkehrungen und Kira wunderte sich darüber. “Schau, in dem Haus direkt gegenüber wohnt die Frau des Präsidenten. Da kann ihr Mann fix zum Mittagessen nach Hause gehen.” witzelte Carlos und Kira betrachtete das hübsche Haus mit den vielen kleinen Balkonen. “Scheinbar hat weder der Herr Präsident, noch seine Frau Angst vor Attentaten.” überlegte Kira laut und Carlos zuckte die Schultern. “Keine Bange, sie werden schon gut beschützt.” antwortete er. Dann fuhren sie wieder ein Stück mit dem Wagen und Carlos erklärte Kira, dass sie nun die erste Universität Amerikas “La Universidad Santo Tomàs da Aquino” erreichen. “Hier in der “Zona Colonial” (Kolonialzone) atmen die Gebäude und Strassen Geschichte und die engen Gassen und Fassaden sind noch heute voll von Legenden und Geheimnissen die seit 1492 hier erzählt werden.” Zu Fuss erkundeten sie nun die ersten Gebäude die in der neuen Welt entstanden waren. Viele von ihnen beherbergen heute Museen und Carlos erwies sich wieder einmal mehr als ausgezeichneter Führer und konnte seiner Begleiterin die abwechslungsreiche Geschichte seines Landes anschaulich näherbringen. Sie besichtigten zahlreiche Ausstellungen, das Fort Ozama und statteten auch “La Casa del Tostado”, dem Haus der dominikanischen Familie, einen Besuch ab. Kira gefiel die Kathedrale “Catedral de Santa Maria la Menor”, die zwischen 1514 und 1544 erbaut wurde, besonders gut. Überall wohin man schaute gab es Kunst und Architektur vergangener Zeiten zu entdecken und Kira kam sich vor wie auf einer Reise in die Vergangenheit. Carlos, der erstaunlich viel Wissen besitzt, hatte zu fast jedem Gebäude oder auch Ruine eine kleine Anekdote parat. Bevor Kira pflastermüde werden konnte, fuhren sie zum “Parque Colòn” und Carlos fand eine schattige Bank unweit der Statue des Admiral Christoph Kolumbus, dem Entdecker. Er holte kalte Getränke und sie ruhten sich eine Weile aus. “Magst du nun die Einkaufsstrasse “Calle de Conde” sehen? Ich kenne in einer Seitenstrasse ein gemütliches Restaurant mit sehr guter Küche, dort können wir zu Mittag essen.” schlug Carlos vor und Kira willigte gern in den Vorschlag ein. In dem alten Gemäuer hätte Kira kein Spitzen-Restaurant vermutet, nur ein Schild baumelte über dem Eingang. Umso mehr war sie überrascht von dem stilechten Ambiente der Räumlichkeiten. Alles war aufwendig und mit Liebe zum Detail restauriert worden und durch die dicken Wände war es im Inneren angenehm kühl. Der Kellner begrüsste Carlos fast wie einen alten Freund, aber Carlos meinte, er kenne ihn nicht wirklich. “Wahrscheinlich verwechselt er mich.” tat er die Sache ab und Kira ärgerte sich, dass sie leider kein Wort spanisch verstehen konnte. Carlos fragte Kira, ob es ihr recht sei, wenn er die Bestellung übernimmt und Kira war gespannt, was er wohl bestellen würde. Als Aperitif wählte Carlos Margaritas. Frisches Weissbrot und eine Art Knoblauchbutter kamen dazu auf den Tisch. Kira, die inzwischen echt hungrig war, probierte sofort das Brot. Lange mussten sie nicht warten und es wurden zwei Teller mit dampfender Muschelsuppe aufgetragen. Die Suppe war ausgezeichnet und das mit Knoblauchbutter bestrichene Brot passte hervorragend dazu.


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