Donnerstag, 30. Mai 2013

15. Kapitel / 3


Die Stärkung hatten sie sich wohlverdient und als sie sich Steaks, Salat und Ofenkartoffeln schmecken ließen, tauschten sie sich über die faszinierende Unterwasserwelt aus. Nach dem Essen breitete sich bleischwere Müdigkeit in ihren Beinen aus und sie gingen in ihre Zimmer, um ein Stündchen Siesta zu halten. Danach fühlte Kira sich frisch und ausgeruht und auch in Bezug auf Martin war sie wieder voller Zuversicht. “Heute ruft er hundertpro an!” war Kira überzeugt, “bestimmt habe ich nicht richtig zugehört und er sagte - übermorgen-. Ja, so muss es sein!” diese Gedanken brachten ihre gute Laune zurück und sie holte Sam an ihrer Zimmertür ab. “Ich habe so Muskelkater in den Beinen!” jammerte Sammy, “ich brauche jetzt unbedingt etwas Süsses. Lass uns die Snackbar plündern!” Also standen die Freundinnen kurze Zeit später vor dem grossen Süssigkeitenbuffet und hatten wieder einmal die Qual der Wahl. Sam nahm sich Blätterteigtaschen: eine mit Thunfisch, eine mit Hähnchenfilet und noch eine mit Scampis gefüllt, vom Snackbuffet. Kira runzelte die Stirn: “Ich dachte, du hast Appetit auf was Süsses?” “Ja,” antwortete Sam augenzwinkernd, “Appetit auf Süsses und Hunger auf was Deftiges. Süsskram hole ich mir auch noch!” Kira betrachtete Samantha kritisch von der Seite und fand, dass sich ihr Bäuchlein schon ganz schön gerundet hatte. “Hauptsache, es schmeckt! Wahrscheinlich macht die Liebe so hungrig!” dachte sie im Stillen. Kira entschied sich für Eis und Fruchtcreme und setzte dem Ganzen eine grosse Sahnehaube auf. Kira bestellte für sich Kaffee und wollte für Sam gleich mitbestellen. “Nein, ich hätte gerne einen Kakao.” bat sie und erklärte Kira: “Eigentlich trinke ich ja immer Kaffee, aber seit ein paar Tagen wird mir jedes Mal schlecht davon. Wahrscheinlich vertrage ich bei den hohen Temperaturen einfach kein Koffein.” nachdem Sam die gefüllten Blätterteigtaschen verdrückt hatte, holte sie sich noch ein grosses Stück Sahnetorte und zwei, wie sie fand, kleine Kugeln Mangoeis. So gestärkt wanderten sie am Strand entlang nach Las Galeras. Kira wollte unbedingt heute das Gemälde für ihr Wohnzimmer kaufen. Sam meinte: “Das hat doch noch Zeit!” Aber als sie nachrechnete, welcher Tag heute ist, bekam sie einen grossen Schreck. “Kira, ich fasse es nicht! In drei Tagen bin ich schon am Flughafen! Wo ist denn nur die Zeit geblieben?  Oh nein, ich WILL nicht nach Hause!” schluchzte Sam und Kira war über den heftigen Stimmungswandel echt verwirrt. “Ich habe auch nur einen Tag länger.” stellte Kira fest. “Was soll ich denn machen, wenn du weg bist?” fragte sie Sammy, nun auch verzweifelt. Am Strand tollte eine Frau mit ihren drei schönen grossen Hunden und die Freundinnen wurden von ihrem Kummer abgelenkt. Beim Näherkommen erkannten sie Uschi, die Vermieterin des schnuckeligen Ferienhauses, wieder. Uschi freute sich ehrlich sie wiederzusehen und sie unterhielten sich eine Weile. “Wie es der kleinen Lady wohl geht?” musste Kira denken und sie beschloss, Martin unbedingt nach ihr zu fragen. “Wenn er denn anruft…” fügte sie in Gedanken hinzu. Im Ort gingen sie zum Laden von Miguels Eltern und während Sam sich mit ihnen unterhielt, suchte Kira nach einem passenden Bild. Tatsächlich fand sie auch ein Gemälde, das ihren Vorstellungen entsprach. Es zeigte eine sich dem türkisfarbenen Meer zuneigende Palme bei Sonnenuntergang und Kira erkannte sogar den Strand wieder. Miguel entfernte geschickt den Holzrahmen und wickelte das Ölbild wie einen Teppich auf. Dazwischen legte er eine dünne Folie zum Schutz der Farben. Kira war erleichtert als sie das schmale Päckchen sah. Sie hatte schon krampfhaft überlegt, wie sie das sperrige Gemälde in ihren Koffer bekommen sollte. Als das Problem so einfach gelöst wurde, suchte sie noch ein weiteres Bild aus. Es zeigte die Brücke von Santa Barbara de Samanà und Kira konnte ein Seufzen nicht unterdrücken. Sie bezahlte ihre Schätze und wartete vor dem Geschäft auf Samantha. Etwas wehmütig wurde ihr, als sie daran dachte, das inzwischen so vertraute Las Galeras, den schönen Strand und vor allem ihr heiss geliebtes Meer bald nicht mehr sehen zu können.


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Mittwoch, 29. Mai 2013

15. Kapitel / 2

“Aber warum dürft ihr nicht zusammen schlafen?” bohrte Kira. “Ich muss mir noch was zum essen holen, ich habe einen Heisshunger auf Eier mit Speck. Kommst du mit?” fragte Sam und war schon aufgesprungen. Kira wollte noch ein paar Trauben naschen und folgte Sam zum Buffet. Als sie wieder sassen, beantwortete Sam endlich die noch offene Frage: “Also. Die Dominikaner sind zum grössten Teil sehr gottesfürchtig und gläubig. Miguels Familie ist katholisch. Die Älteren und zunehmend auch Junge leben nach strengen kirchlichen Regeln und Traditionen. Sex vor der Ehe wird zwar praktiziert, ganz klar, aber nicht gerne gesehen und schon gar nicht von den Familien gefördert. Deshalb darf ein unverheiratetes Paar unter dem Dach der Familie auch nicht zusammen in einem Raum schlafen. Das ist zwar ganz schön altmodisch, aber ich finde es trotzdem okay. Miguel ist auch ein eifriger Kirchgänger und möchte, dass ich unbedingt einmal mitgehe. Könnte interessant werden. Was meinst du?” Kira überlegte eine Weile, bevor sie ihre Meinung kundtat: “Na ja, du willst mit Miguel zusammenbleiben. Also werdet ihr früher oder später, wahrscheinlich früher, auch heiraten. Ja, du solltest mit in die Kirche gehen, schon Miguel und seiner Familie zu liebe. Vielleicht gefällt es dir sogar…” Sam guckte nachdenklich und nickte dann langsam: “Du hast recht, ich werde mitgehen.” Damit war das Thema erledigt und Sam fragte: “Was machen wir heute? Wo sind eigentlich die Anderen?” Kira zuckte zweimal die Schultern, für jede Frage einmal. “Ich glaube die wollten heute nach Santa Barbara de Samanà.” Plötzlich hatte Sam eine Idee: “Was hälst du von Schnorcheln? Wir leihen uns beim Tauchcenter das Equipment und erforschen ein bisschen die Unterwasserwelt!” Kira, die eigentlich keine grosse Lust verspürte und lieber ihr Handy im Auge behalten wollte, liess sich aber von Sams Argumenten überzeugen. “Martin hat heute garantiert wieder eine Tour. Warum solltest du also den ganzen Tag auf seinen Anruf warten? Was, wenn er gar nicht anruft? Wir müssen die Tage hier und das super Wetter ausnutzen! Los gib dir endlich einen Ruck!” Kira gab sich geschlagen und sie beendeten das Frühstück.  Auf dem Weg zu ihren Zimmern hämmerte eine Frage ständig in Kiras Kopf: “Was, wenn er gar nicht anruft?” und sie konnte keine Antwort darauf finden. Etwas später am Strand marschierten die Beiden schnurstracks zur Wassersportbasis. Die dort beschäftigten jungen Männer legten sich mächtig ins Zeug, um den beiden Urlauberinnen zu gefallen. Sie flirteten auf Biegen und Brechen und die Mädels hatten ihren Spass. Ausführlich wurde ihnen die Handhabung von Schnorchel und Taucherflossen erklärt und die Richtung gewiesen, in der sie schwimmen sollten.  Kira und Sammy zogen Brille, Schnorchel und Flossen an und gingen rückwärts, weil man sonst mit Flossen an den Füssen schlecht laufen kann, langsam ins Meer. Das warme Wasser umfing sanft ihre Körper und nun gefiel endlich auch Kira die Idee zu Schnorcheln. Sie hielten sich genau an die Anweisungen und siehe da, es klappte auf Anhieb richtig gut. Mit kräftigem Flossenschlag entfernten sich die beiden vom Ufer und stiessen bald auf die angekündigte Korallenbank. Nun bewegten sie sich nur noch langsam und machten sich gegenseitig mit Handzeichen auf jedes entdeckte Detail aufmerksam. Das Sonnenlicht erhellte die Szenerie und beide waren ganz fasziniert von den vielen Farben und Formen. Schwärme von kleinen Fischen die hell schillerten flitzen vorbei und auf den dunkel rostroten bis orange leuchtenden Korallen herrschte, versteckt zwischen allerlei Bewuchs, reges Treiben. Kira entdeckte ein paar Seesterne und Sam musste über einen kleinen Krebs lachen, der immer wieder versuchte ein leeres Muschelhaus umzudrehen. Grosse Röhrenschwämme und mannsgrosse Tonnenschwämme waren in tieferen Bereichen zu erkennen. Einige gelbgefleckte Eischnecken die auf bizarren Gewächsen sassen, erregten nun Sammys Aufmerksamkeit. Aufgeregt packte Kira Sams Arm und zeigte nach vorn: eine recht grosse Meeresschildkröte paddelte gemächlich in ein paar Metern Abstand vorbei!  Die Korallenbank sah aus wie ein kleines Gebirge und die filigranen Gewächse darauf, es mussten Weichkorallen, Fächerkorallen und Gorgonien sein, leuchteten in den unterschiedlichsten Farben. Die beiden Freundinnen waren von dem Anblick völlig gefangen und wie verzaubert. Weiter unten am Meeresgrund bewegte sich der Sand und ein ziemlich flacher Fisch, der Flügel zu haben schien, schwebte langsam über den Meeresboden, um kurz darauf wieder im Sand zu verschwinden. Die kleinen Schwarmfische waren äußerst neugierig und näherten sich den Mädels fast ohne Scheu. In einiger Entfernung schwammen ab und zu auch grössere, blau-gelb gestreifte Fische vorbei und Sam erinnerte sich, genau solche schon als Fang der Fischer gesehen zu haben. Sie zeigte sie Kira und die zeigte durch ein Nicken, dass sie verstand, was die Freundin meinte. Als sie das Ende der plötzlich steil abfallenden Korallen erreicht hatten, drehten sie um und betrachten die Kulisse  nun auch von der anderen Seite eingehend. Langsam ließen sie die Korallenbank hinter sich. Nahe der Oberfläche schossen zwei Sepien durch das Wasser. An manchen Stellen war dann das Seegras so lang, dass es an ihren Bäuchen und Beinen saft entlangstrich. Kurz nachdem nur noch Sand und Seegras unter ihnen zu sehen war, konnten sie bereits wieder stehen und ruhten ihre Beine von der ungewohnten Bewegung etwas aus. Sam und Kira hatten leuchtende Augen und zufrieden lächelnde Gesichter. Was für ein schönes Erlebnis! Bei ihren Sachen im Wassersportcenter angekommen, erschraken sie richtig, als sie feststellten, dass nahezu drei Stunden vergangen waren. Flugs machten sie sich auf den Weg, um noch etwas vom Mittagessen abzubekommen.



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Dienstag, 28. Mai 2013

15. Kapitel / 1



Wunderschöne Unterwasserwelt

Kira schrak aus einem diffusen Traum hoch und brauchte ein paar Momente, um zu sich zu kommen. Im Fernsehen wurden die Folgen der Finanzkrise für die Autoindustrie erörtert. Ihr Kopf dröhnte und ihr Magen schien die ganze Nacht Achterbahn gefahren zu sein. Kira rappelte sich auf, um die Fernbedienung zu suchen. Die lag vor dem Bett und Kira schaltete den Apparat aus. In der plötzlichen Dunkelheit fiel ihr etwas ein. “Martin!” durchzuckte es sie und schnell knipste sie die Nachttischlampe an. Fieberhaft suchte sie ihr Handy und fand es schliesslich im Bett. Es war ganz warm, weil sie darauf gelegen hatte. Ein Blick auf das Display genügte, um festzustellen, dass er nicht angerufen hatte. Schwer enttäuscht trottete sie ins Bad um sich ein wenig frisch zu machen. Sie zog Jeans und T-Shirt aus und streifte das Nachthemd über. Danach schaute sie auf den Wecker. Es war gerade mal 4.17 Uhr. Kira hob das Glas vom Boden auf, das ihr wohl aus der Hand gefallen war und stellte es auf den Tisch. Sie kroch in das Bett und legte sich vorsichtig hin. Ihr Kopf drohte zu zerspringen. Zum Glück legte sich bleierne Müdigkeit auf sie und bald war sie noch einmal eingeschlafen. Als Kira das nächste Mal zu sich kam, war es blendend hell im Zimmer. Sie hatte sogar vergessen, die Vorhänge zuzuziehen. Kira überlegte, ob sie liegen bleiben oder aufstehen sollte. Und entschied sich für Aufstehen. Ihr Kopf schmerzte noch etwas und im Mund fühlte es sich klebrig und ausgedörrt an. Kira schlich ins Badezimmer und putzte erst einmal gründlich ihre Zähne. Schon besser. Nachdem sie geduscht hatte, fühlte sich auch der Kopf deutlich weniger gross an und nur der Magen schien in den Kniekehlen zu hängen. Langsam zog sie sich an. Weil ihr vor Hunger schon so schlecht war, ging sie frühstücken. Als sie in ihr zweites Brötchen biss, erschien Sammy. “Dachte ich mir doch, dass ich dich hier finde!” rief Sam fröhlich und liess sich auf einen Stuhl plumpsen. Sie sah das Mobiltelefon neben Kiras Teller liegen und ahnte, dass Martin nicht angerufen hatte. Die Freundin empfand Mitleid mit Kira, die wie ein Häufchen Unglück wirkte. Um sie abzulenken, erzählte Samantha von der gestrigen Fahrt nach Rincon. “Wegen der holprigen Strasse sind wir mit Miguels Motorrad gefahren. Ich auf einer Geländemaschine, man glaubt es nicht! Aber Miguel ist ein vorsichtiger Fahrer und meine Angst hielt sich in Grenzen. Aber unheimlich war es. Weit und breit nur Wald und Busch, ab und zu mal ein paar Häuser und Alles stockfinster. Ich war heilfroh als wir nach unendlich langer Zeit endlich in Rincon ankamen. Am Strand brannte ein grosses Lagerfeuer und die Fischer mit ihren Familien sassen gemütlich beisammen. Miguel kennt die meisten Leute dort und wir wurden überaus herzlich begrüsst. Als ich dann noch erklärt habe, warum wir gekommen sind und das Geld übergeben habe, kannte die Freude keine Grenzen mehr. Spontan wurde eine Party gefeiert. Jemand holte seine Gitarre und sang, Fisch wurde gegrillt und Bier rangeschleppt. Es war total lustig. Dominikaner feiern so gerne und lassen keine Gelegenheit zum Party machen aus. Wir sind also ordentlich versumpft und haben den Rest der Nacht, natürlich wieder in getrennten Schlafzimmern, bei einer Tante von Miguel verbracht.” beendete Sam ihren Bericht. Obwohl Samantha daran zweifelte, dass Kira überhaupt zugehört hatte, fragte die kauend: “In der Wildnis um Rincon soll es noch frei lebende Leguane geben, hast du welche gesehen?” und weiter:  “Warum dürft ihr eigentlich nicht zusammen schlafen?” Sam trank einen Schluck heissen Kaffee und antwortete dann: “Nö, gesehen habe ich keinen Leguan, aber Miguel hat mir unterwegs ein Anwesen gezeigt, dass als Leguanstation genutzt wird. Leider habe ich vor lauter Dunkelheit nichts gesehen. Schade eigentlich. Aber Wildkatzen und jede Menge Geckos waren am Strand. So ein kleiner grüner Gecko ist vom Baum gefallen und genau auf meiner Jeans gelandet. Vor lauter Schreck hab ich gequietscht und wäre fast in Ohnmacht gefallen! Kannst dir ja sicher vorstellen, was das für ein Gelächter gab! Auf jeden Fall ist der Kleine noch ne Weile auf mir rumgeklettert und ich hab ihn mir genau beguckt. Eigentlich sind die gar nicht eklig und fressen jede Menge  blöde Moskitos. Die biestigen Viecher haben mich überall total zerstochen.” und Sam zeigte Kira ihren zerstochenen Arm als Beweis. Kira musste bei der Vorstellung, wie Sammy wegen einem kleinen Gecko gequiekt hatte, ordentlich schmunzeln und Sam freute sich, Kira etwas abgelenkt zu haben.


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Montag, 27. Mai 2013

14. Kapitel / 3




Ihre Einkaufstüten entleerte sie auf das Bett und alles purzelte wild durcheinander. Mit einem sicheren Griff zog sie ihr neues Kleid aus dem Haufen und hängte es auf einem Kleiderbügel von aussen an die Schranktür. Die passenden Sandalen stellte sie ordentlich darunter. “Was Martin wohl zu diesem Outfit sagen würde? Ob ich ihm darin gefalle?” überlegte sie. Schnell sortierte sie den restlichen Einkauf und räumte alles in den Schrank. Ein Blick auf das Handy - Ladestand okay, kein verpasster Anruf - und sie holte den süffigen Moscatel aus der Minibar. Sie füllte zwei Gläser mit Eis und Wein, schnappte sich ihr Telefon und stellte alles auf den Terrassentisch. Auch Sam kam mit zwei Gläsern, sie hatte Cuba-Libre gemixt. Verdutzt guckten sich die Freundinnen an und mussten dann laut lachen. “Na dann, Salud!” Sam hob ihren Cuba-Libre und Kim stieß mit Moscatel mit ihr an. Samantha hatte eine spanische CD eingelegt und beide hingen eine Weile ihren Gedanken nach. “Puh, ich rieche wie ein ganzes Affenhaus!” stellte Sammy entsetzt fest, als sie an ihrem, vom anstrengenden Tag verschwitzten, Shirt roch. “Ich springe erstmal unter die Dusche, sonst ekele ich mich vor mir selbst.” Kira meinte: “Ist gut, ich bleibe hier und geniesse es, einfach gemütlich da zu sitzen.” Und Sam huschte in ihr Zimmer. Als Kira allein auf der Terrasse sass, wanderten ihre Gedanken sofort zu Martin und sie versuchte ihr Handy zu hypnotisieren, damit es endlich klingelt. Ein Blick zur Uhr verriet ihr, dass es kurz nach 18 Uhr war. Irgendwie beschlich sie ein ganz komisches Gefühl, ihre Handflächen wurden feucht und ihr Herz pochte vor Aufregung. Um sich zu beruhigen trank sie schnell ihr Glas leer. Aber die innerliche Unruhe liess sich nicht vertreiben. Kira schob es darauf, dass sie sich auf Martins Anruf so sehr freue. Ungeduldig wartete sie, aber das dumme Ding von Mobiltelefon gab noch nicht einmal einen kleinen Pieps von sich. Eine halbe Stunde später tauchte Sam wieder auf. Sie roch angenehm frisch und hatte sich bequem angezogen. Blaugemusterter Wickelrock, weisses T-Shirt und Flip Flops. Die Haare hingen ihr feucht um den Kopf und kringelten sich wie kleine Schlangen. Kira bemerkte, dass Sam unwahrscheinlich braun geworden war und Sammy freute sich darüber. “Los, geh auch duschen! Ich passe auf dein Handy auf und wenn er anruft, bringe ich es zu dir ins Badezimmer.” befahl Sam und Kira überlegte. “Sam hat recht. Hier zu sitzen und blöd aufs Handy zu starren bringt nichts. Wenn er anruft, bin ich wenigstens schon geduscht und zur Not innerhalb von zehn Minuten umgezogen, falls er ohne vorher anzurufen auftaucht.” Sie verschwand im Bad und Sam schüttelte lachend den Kopf über Kiras Ungeduld. Nach einer extrem rekordverdächtigen Dusche in punkto Schnelligkeit rief Kira laut: “Und?” Sam antwortete ebenso laut: “Nichts!” Kira zog sich Jeans und Shirt an und wickelte ein Handtuch um ihre feuchten Haare. Der Fön würde zu viel Krach machen, womöglich überhörte sie das Handyklingeln. Sie hockte sich wieder zu Sam auf die Terrasse und nippte am zweiten Glas Wein. Das Eis war inzwischen geschmolzen und der Wein verwässert. Aber Kira nahm es nicht wahr. Sie starrte zum Telefon und guckte betrübt. Sam schaute zur Uhr. “Los Kira, wir gehen jetzt essen!” befahl sie. Kira wollte zwar nicht, aber Samantha liess nicht locker. Kira zog sich das Handtuch vom Kopf und hängte es zum Trocknen über die Stuhllehne. Langsam entwirrte sie ihre langen Haare und schlang sie zu einem Knoten, den sie am Hinterkopf befestigte. Sam wartete ungeduldig. Als Kira endlich soweit war, hakte Sam sie unter und zog sie bis in den Speisesaal. Kira hielt ihr Handy krampfhaft in der Hand und kontrollierte, ob sie auch guten Empfang hat. Heidrun, Micha, Thomas und Katrin sassen an dem gewohnten Stammplatz und redeten über das heute erlebte. Kira und Sam setzen sich zu ihnen. Kira hatte absolut keinen Hunger und Sammy marschierte alleine zum Buffet. “Warum ruft er nicht an? Dauert seine Exkursion etwa länger? Vielleicht ist sein Akku leer?” Kira überlegte hin und her warum Martin sich nicht meldete und kam zu der Überzeugung, dass er ganz sicher noch anrufen würde. Sie entspannte sich bei dem Gedanken etwas und war nun in der Lage, den Gesprächen am Tisch zuzuhören. Samantha kam mit ihrem vollen Teller zurück und während sie hungrig zulangte, erzählte sie von den Fischern am Strand und dass Miguel sie später nach Rincon fahren würde. Bereitwillig zückten die Bootsausflügler ihre Geldbörsen und Sam war sehr zufrieden mit der Summe die zusammenkam. Miguel und sie würden den hilfsbereiten Leuten das Geld übergeben und hoffentlich auch ein wenig damit helfen können. Kiras Magen knurrte leise, aber sie hatte keinen Appetit. Um ihren Magen zu beruhigen, trank sie drei Gläser Fruchtsaft und das böse Knurren legte sich. Samantha verabschiedete sich bald darauf und die Anderen diskutierten, wie sie den Abend verbringen wollten. Kira entschuldigte sich, sie müsste noch am Reisebericht schreiben und ging zu ihrem Zimmer. “Sicher ist sicher!” dachte sie sich und hängte ihr Handy an das Ladekabel. Der Balken für die Netzversorgung zeigte vier Striche und Kira war zufrieden. Sie überlegte, ob sie jetzt wirklich mit dem Reisebericht anfangen sollte, verwarf den Gedanken aber sofort, sie fühlte sich zu unruhig. In den Tiefen ihres Koffers fand sie den Roman, den sie bisher auch noch nicht angefangen hatte. Kira setzte sich in das Bett und stopfte sich die Kissen in den Rücken. Als sie die bequemste Sitzposition gefunden hatte, begann sie den Roman zu lesen. Aber ihre Gedanken schweiften immer wieder ab und sie musste wieder von vorn anfangen. Ihr Wecker tickte leise und eintönig und Kira sah nach, wie spät es ist. 21.30 Uhr. Immer noch kein Anruf! Sie kletterte wieder aus dem Bett und hörte ihre Mailbox ab. Nichts. “Vielleicht hat er eine SMS geschickt?” Nein, auch nicht. Sie schaltete das Handy aus, öffnete das Gehäuse, entnahm Akku und SIM-Karte und baute es wieder zusammen. Noch einmal alles kontrollieren. Kein Anruf, keine SMS, keine Sprachnachricht. Nur die Ladekontrolle zeigte an, dass der Akku vollständig geladen sei. Kira stöpselte das Netzteil aus und legte es zurück in den Schrank. Ihr Magen begann wieder zu murren und Kira trank zwei Gläser Wasser. Diesmal half es allerdings nicht und das Hungergefühl bohrte weiter in ihr. Kira begann noch einmal mit dem Buch und versuchte krampfhaft ihre Konzentration auf die Zeilen zu lenken. Nach einer weiteren halben Stunde legte Kira das Buch zur Seite und schaltete den Fernseher ein. Sie zappte sich durch alle Kanäle, fand aber keinen Sender der ihr zusagte. Also schaute sie eine Weile CNN. Inzwischen nagte Frust an ihr und sie stöberte in der Minibar. Sie nahm die angefangene Flasche Moscatel und füllte ihr Glas. Hastig trank sie in grossen Schlucken  und schüttete auch noch den Rest der Flasche in sich hinein. Ihr wurde wohlig warm und der Magen stellte seinen Protest ein. Sie mixte sich noch einen Cuba-Libre und machte es sich auf dem Bett bequem. In ihrem Kopf bereitete sich eine weiche Wolke aus und die hochprozentige Mixtur schmeckte mit jedem Schluck besser.



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Sonntag, 26. Mai 2013

14. Kapitel / 2


Langsam taten ihnen die Füsse weh und so schlenderten sie wieder in Richtung Hafen. Kira schaute immer wieder verstohlen auf das Display ihres Handys. Aber es klingelte nicht. “Martin ruft NACH seiner Tour an, hat er gesagt. Hab Geduld, er meldet sich ganz bestimmt!” beruhigte sie sich selbst. Sie war voller Vorfreude auf das Wiedersehen und hätte vor Ungeduld platzen können. Neben der Busstation lud das bunte Schild einer Eisdiele zum Verweilen ein und Miguel spendierte das nachträgliche Dessert. Der Eisbecher schmeckte köstlich, aber die Hitze liess das Eis schnell schmelzen und sie mussten sich beim Löffeln ganz schön beeilen. Kira und Sam schauten sich interessiert um und beobachteten die Leute. An den Nachbartischen wurde spanisch, englisch, französisch, deutsch und in weiteren fremdartig anmutenden Sprachen diskutiert und gescherzt. Das Völkchen der Kreuzfahrer war also bunt gemischt und aus aller Herren Länder. “Ach ja, eine Kreuzfahrt würde mir auch gefallen.” überlegte Samantha und übersetzte ihre Worte für Miguel ins Spanische. Miguel, der inzwischen fast Affenarme bekommen hatte, bat die Mädels hier zu warten. Also hatten sie Zeit für ein Frauengespräch. “Hat Martin sich schon gemeldet?” fragte Sam. Und Kira erzählte ihr, dass er doch erst nach der Arbeit anrufen würde. “Also musst du noch Geduld bis ca. 18 Uhr aufbringen müssen.” überlegte Sam. “Bis er geduscht und umgezogen ist, plus Fahrtzeit, wird er dich gegen 20 bis 21 Uhr abholen. Cool, da kannst du vorher noch mit zum Abendessen kommen!” freute sich Sammy. “Und wenn er mich zum Essen ausführen will? Dann bin ich schon satt und verderbe ihm den Spass.” hielt Kira dagegen. “Ach, warte einfach ab bis er anruft, dann kannst du ja immer noch nachkommen.” entschied Samantha. Gerade bog Miguels Auto um die Ecke und die Beiden sammelten ihre Tüten ein und verließen das Eiscafe. In einem kleinen Fischerdorf hielt Miguel direkt am malerischen Strand noch einmal an. Er wollte fangfrischen Fisch kaufen und sie begutachteten den auf sauberen Planen ausgelegten Fang des Nachmittages. Miguel nannte ihnen die Namen der farbenfrohen Meeresbewohner und die jungen Frauen betrachteten sie interessiert. Es gab Thunfisch, verschiedene Buntbarsche, rote Meerbrassen, Barben und schillernde Papageifische zu bestaunen. Auch ein grosser Calamar gehörte zur Ausbeute. Miguel handelte eine Weile scherzend und lachend mit dem jeweiligen Verkäufer und packte seinen Einkauf in einen extra dafür vorgesehenen Eimer im Kofferraum. Sam und Kira beguckten sich inzwischen die Fischerboote und konnten kaum glauben, dass ein paar davon überhaupt noch seetüchtig waren, so alt und verschlissen wie das Holz aussah. Sie beobachteten ein weiteres Boot, das mit seinem Fang den Strand anvisierte. Sie staunten nicht schlecht, denn das Boot wurde von vier starken Männern mit Rudern bewegt, ganz ohne Motor. Auf der Weiterfahrt berichtete Miguel, dass das Leben der Fischer nicht einfach und auch gefährlich ist. Vielen fehlt einfach das Geld, um die Boote ordentlich zu warten oder einen teuren Motor zu kaufen. Also fahren sie mit ihren altersschwachen Kähnen, oft nur von Muskelkraft angetrieben, aufs Meer hinaus. Wenn sie von einem plötzlichen Sturm überrascht werden, passiert es manchmal, dass ein Boot nicht zurückkehrt. Kira und Sam schwiegen erschreckt, so hatten sie sich das Leben der Fischer nicht vorgestellt! Und es erinnerte sie daran, den Fischern in Rincon die Belohnung für ihre Rettung zukommen zu lassen. Miguel versprach, mit Sam am Abend hinzufahren und die Mädels fühlten sich gleich ein kleines bisschen besser. Miguel half den Beiden beim Ausladen ihrer Einkäufe und verabschiedete sich von Kira. Seine Sam würde er am Abend wie versprochen abholen. Kira schaute auf die Uhr und jubelte innerlich: “Es ist schon 17 Uhr, Martin wird sich bald melden!” Eilig strebte sie zu ihrem Zimmer, so dass Sammy kaum hinterherkam. “Ich verstaue mein Zeug und danach können wir ja zusammen auf der Terrasse sitzen.” schlug Sam, völlig ausser Puste an ihren Zimmertüren angekommen, vor. Kira rief: “Okay, bis dann!” und verschwand eilig in ihrem Zimmer. Sie überprüfte den Akkustand des Handys und legte es auf den Tisch in der Zimmermitte. Sie war total aufgeregt und freute sich auf den erwarteten Anruf.


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