Donnerstag, 6. Juni 2013
17. Kapitel / 2
“Du bist jetzt nicht sauer?” fragte Kira Sammy. “Du dumme Nuss! Warum sollte ich denn sauer sein? Miguel holt mich gegen Mittag ab und in der Zeit bis dahin kann ich ganz gemütlich meinen Koffer packen. Dabei kann ich Hektik nicht gebrauchen. Du siehst, ich komme ganz gut ohne dich aus!” Sam knuffte Kira und setzte hinzu: “Wenigstens ein paar Stunden…” Die Beiden lachten und Kira verabschiedete sich von ihrer Freundin, sie wollte sich schnell noch umziehen. Weil es wieder ein heisser Tag werden würde, zog Kira bequeme weisse Shorts, eine luftige hellgrüne Bluse und flache Gladiatorensandalen an. In das kleine Handtäschchen steckte sie Kamera, Handy und Geld. Ausnahmsweise verspürte Kira Lust sich ein wenig zu schminken und so tuschte sie ihre Wimpern und betonte ihre Lippen mit herrlich nach Himbeeren duftendem Lipgloss. Ein Blick in den Spiegel verriet ihr, dass sie hübsch aussah und zufrieden band sie ihre Haare zu einem hohen Pferdeschwanz zusammen. So, nun war sie perfekt gestylt für eine Citytour. Vor dem Hotel schaute sie sich um, konnte Carlos aber nicht entdecken. “Kira, Süsse! Hier drüben!” rief er und winkte ihr zu. Kira schaute verwundert, sie hätte nicht erwartet Carlos mit einem scheinbar nigelnagelneuen BMW Geländewagen zu sehen. Etwas verwirrt ging sie zu ihm hinüber. Als er ihren kritischen Blick sah, lachte Carlos: “Keine Angst, ich habe mir den Wagen nur ausgeliehen.” Dabei hielt er ihr galant die Autotür auf und half ihr beim Einsteigen. Kira machte es sich in dem weissen Ledersitz bequem und beäugte etwas schüchtern das Innenleben des schicken Wagens. “Wenn ich mit so einer schönen Frau unterwegs bin, muss auch das Auto passen.” bemerkte er, als er hinter dem Lenkrad Platz nahm. “Du siehst heute wieder sehr schön aus!” stellte er fest und küsste ihre Fingerspitzen. Langsam rollten sie vom Hotelgelände. Im Wageninneren war es, dank guter Klimaanlage, angenehm kühl. Kira dachte bei sich: “Ja, so lässt es sich aushalten.” und begann die Fahrt zu geniessen. Bis Nagua fuhren sie auf einer vielbefahrenen Landstrasse und kamen nicht allzu schnell voran. Aber kurz vor Nagua begann die neue Autobahn und nun liess Carlos die Pferdchen laufen. Er erklärte Kira Alles was sie im Vorbeifahren sahen und Kira hörte sehr interessiert zu. Ab und an wurde die rasche Fahrt durch Mautstellen unterbrochen, aber nach eineinhalb Stunden erreichten sie schon die Vororte der Hauptstadt. “Schau dort links, das ist die karibische See.” Wies er Kira auf das sich an Felsen brechende Meer hin. Und dann sah Kira die Skyline von Santo Domingo und war mächtig beeindruckt. Allerdings war der Verkehr mörderisch und Kira hielt sich öfter die Augen zu, wenn die Fahrzeuge scheinbar regellos wild durcheinander flitzten. “Ich könnte hier nie Auto fahren!” rief sie und Carlos schmunzelte darüber. “Man gewöhnt sich daran, es sieht nur so schlimm aus.” beruhigte er sie. Aber Kira sass stocksteif in ihrem Sitz und hielt sich krampfhaft fest. Carlos wies Kira auf allerlei Sehenswertes hin und da Kira nun wieder mit Gucken abgelenkt war, entspannte sie sich etwas. Carlos steuerte den teuren Wagen souverän durch das ganze Gewühl und fand auch relativ schnell einen passenden Parkplatz. Als sie das Auto verließen, schlug ihnen eine regelrechte Gluthitze entgegen und nahm Kira für einen Moment die Luft. Carlos reichte ihr seinen Arm und dankbar hakte sie sich bei ihm ein. Nach wenigen Minuten verließen sie eine Strasse mit herrlichen alten Häusern und vor ihnen lag der Präsidentenpalast: ein schöner weisser Bau mit Kuppeldach in einer blühenden Grünanlage mit majestätischen Palmen. Carlos erzählte Kira ein wenig über die Geschichte des Landes und Kira fotografierte durch die Eisenstreben des Zaunes. Plötzlich ertönte lautes Pfeifen und Knattern und drei Helikopter hoben in rascher Folge direkt vom Landeplatz neben dem Palast ab. Kira gelangen ein paar gute Fotos von den Maschinen und sie freute sich. Bis auf ein paar uniformierte Wachleute gab es keinerlei Sicherheitsvorkehrungen und Kira wunderte sich darüber. “Schau, in dem Haus direkt gegenüber wohnt die Frau des Präsidenten. Da kann ihr Mann fix zum Mittagessen nach Hause gehen.” witzelte Carlos und Kira betrachtete das hübsche Haus mit den vielen kleinen Balkonen. “Scheinbar hat weder der Herr Präsident, noch seine Frau Angst vor Attentaten.” überlegte Kira laut und Carlos zuckte die Schultern. “Keine Bange, sie werden schon gut beschützt.” antwortete er. Dann fuhren sie wieder ein Stück mit dem Wagen und Carlos erklärte Kira, dass sie nun die erste Universität Amerikas “La Universidad Santo Tomàs da Aquino” erreichen. “Hier in der “Zona Colonial” (Kolonialzone) atmen die Gebäude und Strassen Geschichte und die engen Gassen und Fassaden sind noch heute voll von Legenden und Geheimnissen die seit 1492 hier erzählt werden.” Zu Fuss erkundeten sie nun die ersten Gebäude die in der neuen Welt entstanden waren. Viele von ihnen beherbergen heute Museen und Carlos erwies sich wieder einmal mehr als ausgezeichneter Führer und konnte seiner Begleiterin die abwechslungsreiche Geschichte seines Landes anschaulich näherbringen. Sie besichtigten zahlreiche Ausstellungen, das Fort Ozama und statteten auch “La Casa del Tostado”, dem Haus der dominikanischen Familie, einen Besuch ab. Kira gefiel die Kathedrale “Catedral de Santa Maria la Menor”, die zwischen 1514 und 1544 erbaut wurde, besonders gut. Überall wohin man schaute gab es Kunst und Architektur vergangener Zeiten zu entdecken und Kira kam sich vor wie auf einer Reise in die Vergangenheit. Carlos, der erstaunlich viel Wissen besitzt, hatte zu fast jedem Gebäude oder auch Ruine eine kleine Anekdote parat. Bevor Kira pflastermüde werden konnte, fuhren sie zum “Parque Colòn” und Carlos fand eine schattige Bank unweit der Statue des Admiral Christoph Kolumbus, dem Entdecker. Er holte kalte Getränke und sie ruhten sich eine Weile aus. “Magst du nun die Einkaufsstrasse “Calle de Conde” sehen? Ich kenne in einer Seitenstrasse ein gemütliches Restaurant mit sehr guter Küche, dort können wir zu Mittag essen.” schlug Carlos vor und Kira willigte gern in den Vorschlag ein. In dem alten Gemäuer hätte Kira kein Spitzen-Restaurant vermutet, nur ein Schild baumelte über dem Eingang. Umso mehr war sie überrascht von dem stilechten Ambiente der Räumlichkeiten. Alles war aufwendig und mit Liebe zum Detail restauriert worden und durch die dicken Wände war es im Inneren angenehm kühl. Der Kellner begrüsste Carlos fast wie einen alten Freund, aber Carlos meinte, er kenne ihn nicht wirklich. “Wahrscheinlich verwechselt er mich.” tat er die Sache ab und Kira ärgerte sich, dass sie leider kein Wort spanisch verstehen konnte. Carlos fragte Kira, ob es ihr recht sei, wenn er die Bestellung übernimmt und Kira war gespannt, was er wohl bestellen würde. Als Aperitif wählte Carlos Margaritas. Frisches Weissbrot und eine Art Knoblauchbutter kamen dazu auf den Tisch. Kira, die inzwischen echt hungrig war, probierte sofort das Brot. Lange mussten sie nicht warten und es wurden zwei Teller mit dampfender Muschelsuppe aufgetragen. Die Suppe war ausgezeichnet und das mit Knoblauchbutter bestrichene Brot passte hervorragend dazu.
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Dienstag, 4. Juni 2013
17. Kapitel / 1
Schönes Santo Domingo
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Samstag, 1. Juni 2013
16. Kapitel / 2
„Hast du ihn gefragt, ob er Kinder mit dir möchte
und wie steht denn seine Familie zu dir und dem Thema?“ fragte Kira die
Freundin. Sammy überlegte einen Moment
und legte dann los: „Kinder gehören hier unbedingt zu einer Familie, möglichst
recht viele noch dazu. Miguel möchte auch Kinder, vielleicht nicht sofort, aber
in absehbarer Zeit auf jeden Fall. Das ist okay, denn zwei Kinder, gerne Junge
und Mädchen, hätte ich auch irgendwann einmal. Sein Vater mag mich total, er hätte
es am liebsten, wir würden sofort heiraten und Babys machen. Seine Mutter
allerdings sieht das Alles ein bisschen skeptischer. Deutschland ist weit und
Miguel würde nie dort leben wollen. Das hat er mir ziemlich bald klargemacht.
Natürlich weiss sie das auch. Sie ist in ihren Sohnemann geradezu vernarrt und
sehr froh darüber, dass er keine Ambitionen zeigt im Ausland leben zu wollen.
Ausserdem mag seine Mutter Nachbars hübsche Maria sehr gerne und hätte nichts
dagegen, dass Miguel sich in die verliebt. Das ist sowieso eine ganz komische
Sache. Einerseits ist seine Mutter sehr religiös und konservativ, hat aber
nichts dagegen dass diese Maria sich immer halbnackt an Miguel ranwirft! Da
scheint der Zweck eindeutig die Mittel zu heiligen.“ ereiferte sich Sam. „Halb
nackt? Da übertreibst du wohl ein bisschen?“ fragte Kira augenzwinkernd nach. „Von
wegen! Zugegeben, die Maria ist eine exotische Schönheit. Sie hat eine
makellose bronzefarbene Haut, blaue Augen und pechschwarze lange glatte Haare.
Dazu ein flacher Bauch, üppige wohlgeformte Brüste und schlanke Endlosbeine.
Ihre Attribute stellt sie in äusserst knapp sitzenden bauchfreien Tops, natürlich
ohne störenden BH und superkurzen Miniröckchen gekonnt zur Schau. Laufend
scharwenzelt sie um Miguel rum und wenn sie weiss, dass er guckt, ist ein -
Uups - Höschenblitzer gekonnt eingesetztes Mittel zum Zweck. Ich könnte sie in
der Luft zerreissen!“ geiferte Samantha wütend. Kira liess Sammy Dampf ablassen
und überlegte, wie sie sich wohl fühlen würde, wenn diese Maria das gleiche
Spielchen bei Martin abziehen würde. Sie konnte ihre Freundin und deren Ärger
so gut verstehen! „Und Miguel? Er mag die Tussi doch nicht wirklich, oder?“
forschte Kira. „Nein, er hat zum Glück nur Augen für mich. Aber wenn ich bald
fort bin… man weiss ja nie und bekanntlich macht Gelegenheit Liebe…“ antwortete
Sam ärgerlich. „Vertrau Miguel! Ich glaube, er liebt dich tatsächlich so heiss
und innig, dass selbst eine sexy Maria keine Chance hat.“ beruhigte Kira die
aufgebrachte Sam. Wie auf Stichwort tauchte Miguel vor ihnen auf und Sam
vergass ihren Ärger und eilte auf ihn zu. Die Verliebten gaben sich einen
langen innigen Kuss und Kira musste sich abwenden. So viel Liebe und Glück zu
sehen, war ihr einfach zuviel. Sie sehnte sich auch nach so einem liebevollen
Mann… Warum konnte Martin nicht derjenige sein? Scheinbar war der von Anfang an
nur auf ein heisses Abenteuer aus und als die Sache ernster wurde, ist er sang-
und klanglos einfach abgetaucht. Männer sind halt alle doof! Nun ärgerte sich
Kira, vor allem, weil sie wieder einmal auf einen tollen Blender hereingefallen
war und ihr Herz sinnlos verschenkt hatte. Mit einer wegwerfenden Handbewegung
zog sie für sich einen Schlussstrich unter diese Sache. Doch ihre andere Hand
umklammerte weiter das Telefon wie einen Rettungsanker… Als sie an der Poolbar,
wie verabredet, ankamen, herrschte dort schon ausgelassene Stimmung, denn
Thomas hatte einen ganzen Stapel Witze zum Besten gegeben. Alle rutschten ein
bisschen enger zusammen und die neu Angekommenen machten es sich in den dicken
Polstern der Rattansitzgruppe bequem. Miguel begrüsste die Freunde in neu
gelerntem Deutsch und alle freuten sich über seinen Eifer die schwierige
Sprache zu erlernen. Der flotte Kellner versorgte sie mit den bestellten Getränken
und bis auf Heidrun die nur Saft nippte, ließen sich alle den Alkohol
schmecken. So verging eine ganze Weile und die Spannung, was Micha wohl verkünden
wolle, stieg. Dann endlich liess er die sprichwörtliche Katze aus dem Sack. Er
und Heidrun kämpften sich aus den Kissen und standen nun Hand in Hand und mit
strahlenden Gesichtern vor ihnen. „Also, ihr Lieben, wir wollen heiraten.“
begann Micha feierlich. An sich war das ja keine Neuigkeit, waren sie doch alle
Zeugen des romantischen Antrages geworden. „So, nun kommt das Wichtigste daran:
wir werden in einem Jahr, genauer am 4.Februar, heiraten.“ Auch nicht wirklich überraschend,
denn an diesem Tag hatte Heidrun Geburtstag und beide verlobten sich während
der Feier… „Ihr alle seid, quasi als Zeugen unseres Glücks, ganz herzlich dazu
eingeladen.“ führte Micha langatmig weiter aus. Heidrun, der das alles zu lange
dauerte, platzte heraus: „Wir heiraten hier! Genau am selben Ort unserer
Verlobung, unten am Strand in dieser herrlichen Kulisse!“ Einen Moment war es
ganz still, jeder überlegte, was das für ihn selbst bedeutete. Dann brach Jubel
los und alle redeten wild durcheinander. Heidrun und Micha mussten hunderte
Fragen beantworten und die Freude war ihnen buchstäblich in die Gesichter
geschrieben. Kira überlegte: “Wenn die Beiden hier heiraten und ich dabei sein
möchte, bedeutet das ja, dass ich in knapp einem Jahr nach Samanà zurückkehre!“
und ein Freudenschauer durchrieselte sie und „Au Backe, da muss ich ab sofort
aber richtig dolle sparen!“ war ihr nächster Gedanke. Sie stieß Sammy in die
Seite und flüsterte ihr zu: „Wie wäre es denn mit einer Doppelhochzeit?“
Samantha runzelte ihre Stirn, dann huschte ein verklärtes Lächeln über ihr hübsches
Gesicht und Kira sah, dass ihr die Idee wohl gefiel. Sam hatte die Idee an
Miguel weitergegeben und jetzt grinste auch er über beide Backen. Auf ein
Zeichen brachte die Bedienung ein Tablett mit Sekt und alle stiessen damit an.
Heidrun und Micha erklärten nun gleichzeitig oder sich abwechselnd gegenseitig
ins Wort fallend: „Wir haben mit Herrn Ramirez, dem Hotelmanager, schon
gesprochen und fast alles fest gemacht. Weil das Hotel immer schon Monate im
Voraus ausgebucht ist, haben wir 30 Doppelzimmer vorab reserviert und natürlich
die Honeymoon-Suite bestellt. Wir hoffen, dass es für Freunde und
Verwandtschaft ausreichen wird. Wahrscheinlich können sowieso nicht Alle
herkommen. Also habt ihr noch ein paar Tage Zeit zum Überlegen, ob ihr im Hotel
oder Privat unterkommen wollt.“ Die Freunde freuten sich alle riesig und beglückwünschten
das überglückliche Paar. „Die Überraschung ist euch ja echt gut gelungen!“
Sammy knuddelte ihre Heidrun und stellte fest: „Ei, der Kleine ist dann ja auch
schon dabei! Ein Jahr später und ihr reist schon zu dritt!“ Plötzlich verfärbte
sich Sams Gesicht und mit einer kurzen Entschuldigung eilte sie zur
Damentoilette. Kira folgte der Freundin. „So ein Mist!“ schimpfte Sammy etwas
später, „ich hab doch nur einen Cocktail und ein Schlückchen Sekt getrunken und
mein Magen tut so, als wollte ich ihn vergiften! Schade um die schönen Getränke,
ich konnte sie nicht bei mir behalten.“ entschuldigte sie sich bei Kira. „Sicher
hast du dir bei der ganzen Völlerei den Magen verdorben.“ mutmaßte Kira. Aber
auch sie entschied, lieber auf alkoholfreie Cocktails umzusteigen. Solche
Kopfschmerzen wie heute morgen wollte sie garantiert nicht schon wieder
bekommen. Ihr Handy war auch an diesem Abend stumm geblieben und Kira musste
wohl einsehen, dass Martin sich höchst wahrscheinlich nicht mehr melden würde.
Die drei Pärchen alberten und lachten sehr viel und Kira kam sich nach einiger
Zeit völlig deplatziert vor und wollte lieber schlafen gehen. Sie
verabschiedete sich unter dem Protest der Anderen und entkam schliesslich durch
eine kleine Kopfschmerz-Notlüge. Als sie allein zu ihrem Zimmer schlenderte,
zog sie der Zauber der karibischen Nacht wieder einmal in seinen Bann und sie
freute sich am millionenfachen Funkeln der Sterne. Fünf Minuten sass sie noch
auf ihrer Terrasse und ging dann ziemlich müde und von Martin schwer enttäuscht
zu Bett.
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Freitag, 31. Mai 2013
16. Kapitel / 1
Interessante Ankündigung
Sam und Kira kehrten in ihr Hotel zurück. Im Zimmer verräumte Kira ihr
neues Kleid, das noch immer an der Schranktür hing, und die schicken
Schuhe. Die gekauften Gemälde legte sie
in ihren Koffer. Dabei wurde ihr das Herz erst richtig schwer. Martin hatte
sich immer noch nicht gemeldet und sie grübelte, ob es vielleicht an ihr lag,
dass er sie nicht wiedersehen wollte. Aus welchem Grund auch immer er nicht
anrief, es tat ihr unsagbar leid und sie fürchtete, nun nie mit ihm
zusammenzukommen. Der Anblick ihres Koffers machte sie total trübsinnig,
schliesslich musste sie ihre liebgewonnene Halbinsel Samanà bald für immer
verlassen. Kira konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten und sie schossen wie
Sturzbäche aus ihren Augen. Sie warf sich auf das Bett und weinte hemmungslos.
Lange Zeit lag sie so und als ihre Tränen doch irgendwann versiegten, war nicht
nur das Kopfkissen völlig zerstört und durchweicht, auch ihr Gesicht sah
verheult und aufgequollen aus. Nachdem Kira ihren Gefühlen freien Lauf gelassen
hatte, fühlte sie sich wieder etwas besser und neue Hoffnung keimte in ihr. “Wenn er jetzt anruft oder unerwartet auftaucht, sehe ich aus wie ein
grosser Haufen Unglück. So soll er mich auf keinen Fall sehen!” entschied Kira und wusch sich das Gesicht mit kaltem Wasser. Leider
half das nicht allzu viel und sie versuchte es mit einem alten Trick ihrer Omi.
Sie füllte zwei Socken mit Eiswürfeln und legte sie sich auf ihre geschwollenen
Augen. Als das Eis weggeschmolzen war, schaute sie in den Spiegel und war
einigermassen zufrieden. Nach einer Wechseldusche mit heissen und kalten Wasser
fühlte sie sich rundherum wohler. Allerdings hatte sie erst unter dem Strahl
der Dusche bemerkt, dass ihre ganze Rückseite vom Schnorcheln mächtig
Sonnenbrand abbekommen hatte. Eine kühlende After Sun-Lotion beruhigte die
verbrannte Haut.
Sie zog ein dünnes weisses Baumwollkleid an und
verdeckte Restspuren von Tränen mit etwas Make up. So präpariert klopfte sie
bei Samantha an die Terrassentür. Sammy telefonierte mit Miguel und machte Kira
Zeichen, dass sie gleich fertig sei. Nachdem das Gespräch beendet war, musterte
Sam neugierig Kiras Gesicht. „Jetzt weiss ich es. Du hast dich geschminkt,
deshalb siehst du heute so anders aus.“ stellte Sammy fest. Kira nickte und war
froh, dass Sam die Tränenspuren scheinbar nicht bemerkte. „Hast du dir die
Kehrseite auch so derb verbrannt?“ fragte Kira und Sam zeigte auf ihren Rücken
und die Beine und verzog dabei schmerzvoll das Gesicht. Nun zeigte Sam ihren Rücken
her und der sah auch nicht viel besser aus.
„Wir sind aber auch selten dämlich!“ kommentierte Sam und beide mussten über
ihre Gedankenlosigkeit lachen. „Komm wir setzen uns auf die Terrasse vom
Restaurant und trinken noch was Leckeres vor dem Essen. Heidrun war vorhin kurz
bei mir und wollte unbedingt, dass wir alle gemeinsam zu Abend essen. Machen
wir ihr doch die Freude und warten dort auf die Anderen.“ Kira war einverstanden
und kurz darauf sassen sie gemütlich unter dem riesigen Sonnenschirm und schlürften
genüsslich einen Batida de Coco. Wie verabredet erschienen pünktlich die beiden
Pärchen. Alle holten sich reichlich vom Buffet und während sie langsam und mit
Genuss assen, wurden die Tageserlebnisse lebhaft ausgetauscht. Kira liess Sammy
den Vortritt und die berichtete unter Einsatz von Händen und Füssen von der
beeindruckenden Unterwasserwelt, die sie beim Schnorcheln erkundet hatten.
Thomas und Micha ließen sich von der Begeisterung anstecken und planten gleich
für Morgen auch so einen interessanten Schnorchelausflug. Die schwangere
Heidrun wollte sich lieber etwas schonen und Katrin signalisierte Solidarität
mit ihrer besten Freundin. Schliesslich hatten sie sich heute beim Stadtbummel
in Santa Barbara de Samanà die Füsse wund gelaufen. Micha nutzte einen Moment,
als Alle mit Kauen beschäftigt waren und kurzzeitig Ruhe am Tisch herrschte, für
eine bündige Ansprache: „Also, ihr Lieben, Heidrun und ich möchten euch etwas
verkünden und es wäre supi, wenn wir uns alle heute Abend, sagen wir gegen
21.30 Uhr, an der Poolbar treffen würden. Vorher wird nix verraten, ihr könnt
eure neugierigen Fragen gleich mit dem Essen runterschlucken!“ grinste er, denn
den Mädels war anzusehen, dass sie vor Neugier fast platzten. Der Vorschlag
fand allgemeine Zustimmung und alle freuten sich darauf. Kira und Sam wollten
bis zur festgelegten Zeit spazieren gehen und schlenderten am Meer entlang
Richtung Las Galeras. So konnten sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen,
denn Miguel hatte mit Sam verabredet auf diesem Weg zu ihr zu kommen. Kira, die
insgeheim immer noch hoffte, dass Martin sich meldet, hielt ihr Handy in der
Tasche ihres Kleides fest umklammert. Sam, die den Schatten von Traurigkeit öfters
über Kiras Gesicht huschen sah, verkniff sich ihre Fragen diesbezüglich und erzählte
Kira ununterbrochen von Miguel und seiner Familie.Neugierig wie es weitergeht?
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Donnerstag, 30. Mai 2013
15. Kapitel / 3
Die Stärkung hatten sie sich wohlverdient und als sie sich Steaks, Salat
und Ofenkartoffeln schmecken ließen, tauschten sie sich über die faszinierende
Unterwasserwelt aus. Nach dem Essen breitete sich bleischwere Müdigkeit in
ihren Beinen aus und sie gingen in ihre Zimmer, um ein Stündchen Siesta zu
halten. Danach fühlte Kira sich frisch und ausgeruht und auch in Bezug auf
Martin war sie wieder voller Zuversicht. “Heute ruft er
hundertpro an!” war Kira überzeugt, “bestimmt habe ich
nicht richtig zugehört und er sagte - übermorgen-. Ja, so muss es sein!” diese Gedanken brachten ihre gute Laune zurück und sie holte Sam an
ihrer Zimmertür ab. “Ich habe so Muskelkater in den Beinen!” jammerte Sammy, “ich brauche jetzt unbedingt etwas Süsses. Lass uns die Snackbar plündern!” Also standen die Freundinnen kurze Zeit später vor dem grossen Süssigkeitenbuffet
und hatten wieder einmal die Qual der Wahl. Sam nahm sich Blätterteigtaschen:
eine mit Thunfisch, eine mit Hähnchenfilet und noch eine mit Scampis gefüllt,
vom Snackbuffet. Kira runzelte die Stirn: “Ich dachte, du
hast Appetit auf was Süsses?” “Ja,” antwortete Sam augenzwinkernd, “Appetit auf Süsses
und Hunger auf was Deftiges. Süsskram hole ich mir auch noch!” Kira betrachtete Samantha kritisch von der Seite und fand, dass sich
ihr Bäuchlein schon ganz schön gerundet hatte. “Hauptsache, es schmeckt! Wahrscheinlich macht die Liebe so hungrig!” dachte sie im Stillen. Kira entschied sich für Eis und Fruchtcreme und
setzte dem Ganzen eine grosse Sahnehaube auf. Kira bestellte für sich Kaffee
und wollte für Sam gleich mitbestellen. “Nein, ich hätte
gerne einen Kakao.” bat sie und erklärte Kira: “Eigentlich
trinke ich ja immer Kaffee, aber seit ein paar Tagen wird mir jedes Mal
schlecht davon. Wahrscheinlich vertrage ich bei den hohen Temperaturen einfach
kein Koffein.” nachdem Sam die gefüllten Blätterteigtaschen verdrückt hatte, holte sie
sich noch ein grosses Stück Sahnetorte und zwei, wie sie fand, kleine Kugeln
Mangoeis. So gestärkt wanderten sie am Strand entlang nach Las Galeras. Kira
wollte unbedingt heute das Gemälde für ihr Wohnzimmer kaufen. Sam meinte: “Das hat doch noch Zeit!” Aber als sie
nachrechnete, welcher Tag heute ist, bekam sie einen grossen Schreck. “Kira, ich fasse es nicht! In drei Tagen bin ich schon am Flughafen! Wo
ist denn nur die Zeit geblieben? Oh
nein, ich WILL nicht nach Hause!” schluchzte
Sam und Kira war über den heftigen Stimmungswandel echt verwirrt. “Ich habe auch nur einen Tag länger.” stellte Kira
fest. “Was soll ich denn machen, wenn du weg bist?” fragte sie Sammy, nun auch verzweifelt. Am Strand tollte eine Frau mit
ihren drei schönen grossen Hunden und die Freundinnen wurden von ihrem Kummer
abgelenkt. Beim Näherkommen erkannten sie Uschi, die Vermieterin des
schnuckeligen Ferienhauses, wieder. Uschi freute sich ehrlich sie wiederzusehen
und sie unterhielten sich eine Weile. “Wie es der
kleinen Lady wohl geht?” musste Kira denken und sie beschloss, Martin unbedingt nach ihr zu
fragen. “Wenn er denn anruft…” fügte sie in
Gedanken hinzu. Im Ort gingen sie zum Laden von Miguels Eltern und während Sam
sich mit ihnen unterhielt, suchte Kira nach einem passenden Bild. Tatsächlich
fand sie auch ein Gemälde, das ihren Vorstellungen entsprach. Es zeigte eine
sich dem türkisfarbenen Meer zuneigende Palme bei Sonnenuntergang und Kira
erkannte sogar den Strand wieder. Miguel entfernte geschickt den Holzrahmen und
wickelte das Ölbild wie einen Teppich auf. Dazwischen legte er eine dünne Folie
zum Schutz der Farben. Kira war erleichtert als sie das schmale Päckchen sah.
Sie hatte schon krampfhaft überlegt, wie sie das sperrige Gemälde in ihren
Koffer bekommen sollte. Als das Problem so einfach gelöst wurde, suchte sie
noch ein weiteres Bild aus. Es zeigte die Brücke von Santa Barbara de Samanà
und Kira konnte ein Seufzen nicht unterdrücken. Sie bezahlte ihre Schätze und
wartete vor dem Geschäft auf Samantha. Etwas wehmütig wurde ihr, als sie daran
dachte, das inzwischen so vertraute Las Galeras, den schönen Strand und vor
allem ihr heiss geliebtes Meer bald nicht mehr sehen zu können.
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