Montag, 20. Mai 2013

12. Kapitel / 3



Dann schimpfte er mit ihr. Wegen der Bootstour, der Erkältung, dass sie trotzdem zur Show gekommen war und so weiter. Kira hörte gar nicht zu und er beruhigte sich wieder. Er liess es sich nicht nehmen, Kiras Körper mit dem Sonnenschutz zu behandeln und sie musste immer wieder seine frechen Hände wegschieben, wenn er versuchte unter den Stoff zu gelangen. Leider hatte Carlos nicht viel Zeit und Kira atmete auf, als er endlich gegangen war. Sie hörte ihren Namen rufen und suchte mit den Augen den Strand ab. Von Las Galeras kommend schlenderten Samantha und Miguel auf sie zu. Nach der freudigen Begrüssung verabschiedete sich Miguel bald, er musste zurück ins Geschäft. So konnte Sammy ihrer Freundin brühwarm über den gestrigen Tag berichten. “Stell dir vor, seine Eltern haben so etwas wie eine Ranch. Mit Kühen, Pferden, Hühnern und so allerlei Getier. Es ist echt cool bei Miguel zu Hause. Und seine Eltern sind einwandfrei. Na ja, erst haben sie ziemlich kritisch geguckt, aber das hat sich bald gegeben und es wurde ein fantastischer Tag. Ich habe seiner Mutter beim Kochen geholfen und eine Menge über die dominikanische Küche gelernt. Und es hat dann auch klasse geschmeckt - trotz meiner Mithilfe!” gackerte Sam und Kira musste über Sams Begeisterung herzlich lachen. “Am Nachmittag sind wir ausgeritten, am Meer entlang und haben gebadet. Abends wurde ein riesiger Grill angeheizt und etliche Verwandte und Freunde tauchten auf. Ich musste ja alle kennenlernen und so wurde es eine lange lustige Nacht.” berichtete Sammy weiter. “Das Einzige was ich nicht so toll fand: Miguel und ich mussten in getrennten Schlafzimmern übernachten!” empörte sich Sam und Kira gluckste vor Lachen. Dann berichtete Kira von ihrem Samstag und diesmal lachte sich Samantha kringelig. “Gib es doch zu! Die ganze Erkältung war nur vorgetäuscht, um dir Carlos vom Leib zu halten!” japste Sam und Kira dachte kurz darüber nach. “Schon möglich, dass mein Unterbewusstsein diese Grippe simuliert hat, aber ganz bestimmt wusste ICH nichts davon!” verteidigte sie sich. Sie erzählten sich jedes kleine Detail und so verging die Zeit wie im Flug. Nach dem Mittagessen legte sich Kira in ihrem Zimmer noch ein Weilchen hin und beschwor ihr Handy, endlich zu klingeln. Sie hoffte sehr, dass Martin sich meldet. “Er hat doch eine Tour zu begleiten, da kann er nicht so einfach in der Weltgeschichte herumtelefonieren.” sagte sie sich, aber ihre Ungeduld wuchs mit jeder Minute. Später am Nachmittag machten Sam und Kira einen ausgedehnten Strandspaziergang und sammelten neue Muscheln. Ihre Kleidung und die Fundstücke von vorgestern waren beim Sinken des Bootes leider verloren gegangen. Als Kira sich in ihrem Zimmer zum Abendessen umzog, klingelte ihr Handy und aufgeregt meldete sie sich. “Hallo Kira, wie geht es Dir? Bist du die Erkältung losgeworden?” es war Martin! und Kiras Herz schlug bis zum Hals. Sie erzählte ihm ein bisschen von der Show und dem heutigen Strandtag. Und er berichtete ihr von seiner Tour und Kira lauschte dem wohltönenden Klang seiner Stimme. Kira saugte förmlich jedes Wort von ihm auf, wie ein völlig ausgetrockneter Schwamm. Sie stellte sich sein Gesicht und die wunderbar blauen Augen dazu vor und musste sich schnell setzen, weil ihre Beine so wackelig wurden. Atemlos hatte sie ihm gelauscht und er fragte: “Kira? Bist du noch dran?” Sie räusperte sich ihre wie zugeschnürte Kehle frei und antwortete mit belegter Stimme. Er ahnte wohl ihren Gemütszustand und als er seine nächste Frage stellte, hatte seine Stimme einen dunklen Unterton: “Kira, wenn du möchtest, also, ich habe… ich möchte… ich…” Er verhaspelte sich und begann noch einmal von vorne: “Ich habe für Morgen in den frühen Abendstunden etwas organisiert und möchte dich dazu einladen. Bring auch deine Freunde mit, dann kann es ein lustiger Abend werden.” Kira wollte es genauer wissen, aber Martin verriet ihr keine Einzelheiten. Sie gab sich geschlagen und fragte, welche Kleidung am besten geeignet ist. Er antwortete: “Mach dich schön für mich und hohe Absätze sind okay!” Er gab noch Zeit und Ort an und mit einem: “Kira, ich freue mich auf dich! Bis morgen und träum süss!” legte er auf. Kira sass noch Minuten später ohne sich zu rühren da und drückte das Telefon fest an ihre Brust. Samantha riss sie mit ihrem Klopfen aus der Lethargie und Kira erzählte von dem Gespräch. “Cool, meinst du ich kann Miguel auch mitnehmen? Ich bin so gespannt, was sich Martin da ausgedacht hat!” Beim Abendessen lud Kira auch die zwei Pärchen zu dem geheimnisvollen Date ein und es wurden die wildesten Spekulationen darüber angestellt. Nach dem Abendessen wanderten sie gemeinsam nach Las Galeras und verbrachten einen lustigen Abend in einer gemütlichen Bar. Miguel kam zu Ihnen und freute sich auch über Martins Einladung. Als die drei Pärchen zu Merengue und Bachatta tanzten, wurde Kira richtig wehmütig und sie wünschte sich Martin herbei. Leider kam er nicht und auch Carlos erschien nicht auf der Bildfläche, was Kira zufrieden registrierte. Sie absolvierte ein paar Tänze mit verschiedenen jungen Dominikanern, aber ihre Füsse entwickelten ein störrisches Eigenleben und sie entschied, lieber die Tanzenden zu beobachten. Schliesslich wollte sie keine gebrochenen Füsse verantworten müssen. Weit nach Mitternacht schlenderte die kleine Gruppe am Strand entlang zu ihrem Urlaubsdomizil. Die Pärchen schmusten und küssten sich alle paar Meter und Kira war froh, als sie endlich das Hotel erreichten. Es war nicht so toll, zusehen zu müssen, wenn Andere so verliebt miteinander turteln und man selbst sich furchtbar einsam fühlt. Schnell schlüpfte sie in ihr Bett und versuchte krampfhaft einzuschlafen. Aber in ihrem Kopf arbeitete es und sie konnte den Schlaf nicht herbeizwingen.





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Samstag, 18. Mai 2013

12. Kapitel / 2


Dann wandte er sich an Kira und erschrak bei ihrem Anblick. In ihrem Gesicht brannten rote Flecken auf der sonst sehr blassen Haut. Auf ihrer Stirn stand ein Schweissfilm und sie zitterte, trotz der wärmenden Jacke. Kira musste hohes Fieber haben und sah sehr schwach aus. Thomas erzählte kurz vom Bootsunglück und Carlos konnte vor Ärger nicht sprechen. Er nahm Kira auf die Arme, nickte den Anderen kurz zu und verliess den Saal. Schnell trug er Kira in ihr Zimmer. Er half ihr das Kleid auszuziehen und legte sie ins Bett. Aus dem Schrank zerrte er eine dicke Decke und packte Kira fürsorglich damit ein. Dann verständigte er den Hotelarzt und liess Kira keinen Moment aus den Augen. Obwohl seine Show längst hätte weitergehen sollen, blieb er. Der Arzt kam und untersuchte Kira. Sie bekam eine Injektion und ein fiebersenkendes Getränk. Der Doktor beruhigte Carlos, dass es so schlimm nicht sei. Sie würde bald tief und fest schlafen und schnell wieder auf dem Damm sein. Er schickte also Carlos weg und der verliess Kira nur sehr widerstrebend. Er küsste zum Abschied ihre heisse Stirn. “Kleines Seesternchen, bitte werde schnell wieder gesund. Danke, dass du trotzdem zu meiner Show gekommen bist, auch wenn das sehr dumm war. Du bedeutest mir so viel! Gute Nacht, Kleines!” Der Arzt schob ihn aus dem Zimmer und sagte Kira, dass sie am nächsten Morgen noch einmal zu ihm kommen solle. Dann verabschiedete er sich und verliess auch das Zimmer. Kira war froh endlich allein zu sein. Die Medikamente zeigten schon Wirkung und sie fühlte sich bereits etwas besser. Sie holte sich ein kaltes Mineralwasser aus der Minibar und kuschelte sich wieder ins Bett. Die Geräusche der lauen karibischen Nacht lullten sie ein und Kira fiel in einen erholsamen festen Schlaf. Sie träumte von Martin, seinen Küssen, roten Seesternen am Meeresgrund und riesigen Kreuzfahrtschiffen vor grünen Inseln. Gegen 9 Uhr am folgenden Morgen wachte sie auf und streckte sich genüsslich. Sie hatte gut geschlafen und fühlte sich eigentlich richtig erholt. Sie verliess das Bett und begrüsste die Hühnerfamilie. Nach der Dusche kleidete sie sich bequem in Jeans und T-Shirt und suchte die kleine Arztstation der Anlage auf. Der Doc war sehr zufrieden mit ihr und gab ihr ein paar Tabletten und Tropfen, um die Erkältung endgültig zu vertreiben. Er fragte, ob sie schon gefrühstückt habe und als sie verneinte, verordnete er ihr ein deftiges Frühstück und einen ruhigen Tag am Pool oder Meer. Morgen sollte sie wieder ganz hergestellt und zu grösseren Unternehmungen bereit sein. Also ging Kira nach dem Arztbesuch folgsam in das Restaurant um zu frühstücken. Sie hatte ihren Appetit wiederbekommen und holte sich Rührei, Toast, Käse, Wurst und leckere Schoko-Croissants. Ramòn, ihr verliebter Kellner brachte heisse Milch mit Honig und Kira ass mit Genuss alles auf. Ihre Freunde hatten für heute eine Jeep-Safari gebucht und das Hotel schon vor einiger Zeit verlassen. Kira klopfte auf dem Rückweg bei Sammy an die Tür, aber sie war immer noch nicht zurück. Also liess Kira sich Zeit und kleidete sich langsam für den geplanten Strandbesuch um. Dabei hörte sie Musik und sang leise mit. “Na so ein Quark” murmelte Kira vor sich hin, “ich habe doch schon wieder vergessen, dass ich Babsi anrufen wollte!” Sie nahm ihr Handy und wählte Babsis Nummer. “Es ist Sonntag, da hab ich gute Chancen Babs zu erreichen.” Nach mehreren Versuchen kam sie durch und hatte kurz darauf ihre allerbeste Freundin am Ohr. Babsi freute sich riesig, dass Kira sich endlich meldete. Aber ein bisschen schmollte sie auch, es war ja schon eine Woche vergangen und sie wollte Alles haarklein von Kira erfahren. Kira lieferte eine wahrheitsgetreue Berichterstattung ab und Babsi konnte sich so manchen Lacher nicht verkneifen. So redeten die Freundinnen über eine halbe Stunde lang und Kira wurde, nachdem sie das Gespräch beendet hatten, angst und bange wegen ihrer Handyrechnung. Aber egal, jetzt fühlte sie sich erleichtert und brauchte keine Gewissensbisse mehr zu haben. Vergnügt setzte sie sich in Richtung Strand in Bewegung. Dort fand sie einen schönen Platz im Schatten einer Palme und stürzte sich zu allererst ins Meer. Sie liebt das Meer und zurück in Deutschland würde sie es sehr vermissen. Etwas wehmütig dachte sie daran, dass nun schon die erste Woche vergangen war und sie fühlte sich traurig, weil sie dann Martin nicht mehr sehen konnte. In ihre trüben Gedanken versunken ging sie zu ihrer Liege und streckte sich darauf aus. Bevor sie noch trauriger werden konnte, fühlte sie plötzlich streichelnde Hände auf ihrem Rücken und drehte sich um. Es war Carlos, der ihr Sonnencreme sanft in die Haut rieb. Er küsste ihre Wange und begrüsste sie.


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Freitag, 17. Mai 2013

12. Kapitel / 1



Show und Erkältung

Kira schaute Martin hinterher und drückte die Hände auf ihr wild pochendes Herz. Als der Jeep aus ihrem Blickfeld verschwunden war, tanzte sie leise singend in die Lobby und hätte fast Heidrun und Micha umgerissen. Die Beiden wollten gerade ins Restaurant zum Abendessen. Kira liess sich gerne überreden, die Zwei zu begleiten. Thomas und Katrin hatten den grossen Tisch auf der Terrasse schon belegt und freuten sich, die Freunde zu sehen. Katrin ging es inzwischen glücklicherweise auch wieder besser. Micha erzählte von ihrem Super-Ausflug nach Santo Domingo. Er schwärmte von der Stadt und dem tollen Konzert. “Leute, ich sag euch La Capital muss man einfach gesehen haben. Es ist eine pulsierende Grossstadt mit internationalem Flair. Einerseits total modern und auf der anderen Seite viel Geschichte und karibische Gemütlichkeit. Voll die krassen Gegensätze, aber sehr ansprechend umgesetzt.” Er redete und redete und redete. Bis Heidrun ihn derb anstiess und auch mal zu Wort kommen wollte. Sie berichtete von den vielen günstigen Einkaufsmöglichkeiten und den Edel-Boutiquen aller möglichen internationalen Designer. Jetzt hörten vor allem die Mädels gespannt zu. Heidrun und Micha wechselten sich anschliessend mit der Berichterstattung ab und die staunenden Zuhörer erfuhren auch alle Einzelheiten des Konzertes im Hardrock Cafe. Nachdem die Zwei geendet hatten, berichtete Thomas von ihrer unglücklichen Bootstour und Kira nutzte die Zeit, um sich endlich den Teller zu füllen. Irgendwie fühlte sie sich jetzt matt und fiebrig. Der Hals schmerzte und voller Schrecken dachte sie: “Oh nein, eine Grippe kann ich nun wirklich nicht gebrauchen, bitte nicht und bitte nicht jetzt!” Ihr Appetit liess auch zu wünschen übrig und sie holte sich, wegen der wichtigen Vitamine, nur frische Früchte und Obstsalat. Ein sehr netter, zuvorkommender Kellner brachte ihr eine heisse Zitrone mit Honig zum Trinken. Während die Anderen noch das Bootsdrama diskutierten, träumte sie mit offenen Augen von Martin. Dann kam die Frage auf, was denn heute Abend noch zu erleben wäre und Kira bat die beiden Pärchen, sie zu der Show zu begleiten. Gerne wurde ihr Vorschlag angenommen und sie verabredeten, sich in der Lobby zu treffen. In ihrem Zimmer warf sich Kira auf das Bett. Viel lieber hätte sie weiter über Martin und den tollen Tag mit ihm nachgedacht. Aber versprochen ist versprochen und so duschte sie und zog sich ein buntes Sommerkleid und hohe Schuhe an. Sie fröstelte trotz der Wärme und nahm ihre weiche Strickjacke aus dem Schrank. Zu fünft sassen sie an einem Tisch im grossen Saal, tranken Wein und Bier, ausser Kira und Heidrun natürlich, die heute heissen Tee und Saft bevorzugten, und warteten gespannt auf den Beginn der Show. Carlos erschien kurz am Bühnenrand und als er sie erblickte, schickte er eine Kusshand zu Kira. Dann ging es los und Alle verfolgten das Treiben auf der Bühne. Eine Showtanzgruppe eröffnete und zu heissen Samba-Rhytmen ließen die nur spärlich bekleideten Tänzerinnen ihre Hüften wackeln. Danach war ein Komiker-Pärchen dran und der ganze Saal bog sich vor Lachen. Es folgten weitere schöne und lustige Darbietungen, aber Kiras Kopf brummte nun auch noch und sie bekam kaum etwas mit. Dann erschien Carlos im Michael Jackson-Outfit auf der Bühne und sang und tanzte fast wie der King of Pop zu einem wunderschönen Medley des Stars. Der Saal tobte und nach lauten “Zugabe” Rufen trug Carlos einen weiteren Song “I just can`t stop loving you“ in der spanischen Version “Todo mi amor eres tu” vor. Mit viel Inbrunst sang er nur für Kira und alle im Saal Anwesenden blickten zu ihrem Tisch herüber. Kira fühlte sich sehr unbehaglich, musste aber zugeben, dass Carlos eine sehr gute Stimme hat und sehr gut singen kann. Nach brausendem Beifall schloss sich der Vorhang und es wurde eine zehnminütige Pause angekündigt. Carlos erschien kurz darauf, bereits umgezogen, an ihrem Tisch und begrüsste Alle.

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Donnerstag, 16. Mai 2013

11. Kapitel / 3



“Da schau, die vielen Seesterne!” wies Martin sie auf die Meeresbewohner hin. Im glasklaren Meerwasser, durch das man sogar den Meeresgrund sehen konnte, tummelten sich etliche Seesterne in verschiedenen Grössen und den unterschiedlichsten Rot- und Orangetönen. Kira blieb fasziniert stehen und beobachtete die interessanten Tiere. In Natur und lebend hatte sie so etwas noch nie gesehen. Unterwegs begegneten ihnen einige Touristen und auch dominikanische Jugendliche und Pärchen. Die Brücke ist ein beliebter Anziehungsort. “Für einen Film ist sogar schon, ich glaube es war Uschi Glas, über diese Brücke gewandelt.” erzählte Martin. Er deutete mit seinem Arm nach rechts und erklärte Kira: “Was du dort drüben siehst, ist der Nationalpark Los Haitieses.” Und er berichtete von den vielen Höhlen, in denen Fledermäuse sich wohl fühlen, den Manggroven-Wäldern und den Tieren und Vögeln die dort beheimatet sind. Kira lauschte seinen Ausführungen und dachte bewundernd: “ Was er alles weiss, er ist ganz fantastisch!” Über wieder sehr steile, leider ungesicherte Treppen, erreichten sie die erste Insel und schauten sich alles ganz genau an. Über das Meer hat man eine weite Sicht auf die Stadt und Kira gefiel es hier sehr gut. Sie wanderten über die Insel und Martin schlug vor, das letzte Stück Brücke zu überqueren. Dort angekommen suchte er ein schönes Plätzchen am Ende der kleinen Insel aus und sie machten es sich im weichen Gras bequem. “Diese Insel dort weiter links ist die Cayo Levantado, besser bekannt als die Bacardi-Insel. Dort wurde angeblich der Werbespot für das bekannte Getränk gedreht. Seit ein paar Jahren gibt es auf Cayo Levantado ein 5-Sterne-Hotel, echter Luxus, aber ein Teil des Strandes ist immer noch öffentlich und viele Touries besuchen die Insel.” führte Martin aus. Dann assen sie die mitgebrachten Empanadas. Kira schmeckten die gefüllten Teigtaschen sehr gut und mit grossem Appetit langte sie zu. Ein paar Empanadas später streckte sie sich wohlig im Gras aus und Martin bettete seinen Kopf auf ihrem Bauch. In Kira brannte eine Frage und schliesslich konnte sie nicht länger an sich halten und stellte sie Martin. Sie hatte etwas Angst vor der Antwort und ihre Stimme zitterte leicht: “Bist du verheiratet oder sonst wie gebunden?” Er zuckte leicht merklich zusammen, antwortete aber ruhig: “Es gab eine Frau, Anne, die ich wirklich sehr geliebt habe und heiraten wollte. Damals war ich Student und echt arm. Also hatte ich ständig Nebenjobs um das Studium zu finanzieren. Anne und ich haben viel unternommen. Radtouren, Baggersee, Spaziergänge - halt alles mögliche, was ohne grossen finanziellen Aufwand geht. Ich war damals sehr glücklich. Anne auch, dachte ich zumindest. Es war kurz vor dem Ende des Studiums. Ich sparte von dem wenigen Geld das ich übrig hatte und kaufte einen zierlichen Verlobungsring mit einem kleinen Stein für sie. An dem Wochenende, als ich ihr die entscheidende Frage stellen wollte, kam sie in einem schicken Cabrio und neuem Designerfummel zu unserem Stammlokal. Sie sagte - es ist aus - und zeigte mir einen fetten Klunker an ihrer Hand. Ihr zukünftiger Mann, ein reicher Immobilienfritze, würde ihr endlich den Luxus bieten, den ich nie im Leben zusammenbringen würde. Na ja, also hab ich den Ring zurückgebracht, die letzten Prüfungen bestanden und meinen Rucksack gepackt. Am Flughafen habe ich für den nächsten startenden Flieger ein Ticket gekauft und bin so in der Repùblica Dominicana gelandet. Ich bin durchs Land gezogen, wenn das Geld alle war, hab ich bei der Ernte geholfen und nebenbei spanisch gelernt. Nach einer Weile hatte ich mich so an das Alles hier gewöhnt, dass ich nicht mehr zurück wollte. So bin ich in Santa Barbara de Samanà sesshaft geworden.” Er schwieg eine Weile bevor er weiterredete: “Seit dem hatte ich mehrere Beziehungen. Mal längere, mal kürzere. Meist kürzere. Die Frau, der ich nochmal einen Ring anbieten würde, war bisher nicht dabei.” Beide schwiegen eine Weile. Dann fragte Martin: “Und du? Gibt es einen Herrn Kramer oder einen zukünftigen Ehemann?” Dabei schaute er sie aus seinen kornblumenblauen Augen durchdringend an. “Nein.” antwortete Kira. “Ich bin ledig und eigentlich sind Männer ein rotes Tuch für mich. Ich hatte drei ernstere Beziehungen und alle endeten im Desaster. Kai-Uwe, bis vor drei Monaten mein fester Freund, konnte die Finger nicht von anderen Frauen lassen. Er machte oft Überstunden und als ich ihn einmal überraschen und unangemeldet abholen wollte, platzte ich herein als er gerade seine Sekretärin knutschte, mit beiden Händen unter ihrem kurzen Rock beschäftigt.” Kira war erstaunt über sich selbst, dass sie Martin das erzählt hatte. Ausser ihm hatte sie es nur Babsi anvertraut und die war schliesslich ihre beste Freundin. In ihre Gedanken versunken lagen beide im Gras und Martin streichelte ihr zärtlich den Arm.
Nach einer Weile setzte Martin sich auf und erzählte Kira, dass in der Wintersaison mehrmals wöchentlich Kreuzfahrtschiffe den Hafen von Santa Barbara de Samaná anlaufen. Die Ozeanriesen spucken dann tausende von Touristen aus und das eher beschauliche Städtchen wimmelt nur so von Urlaubern aus aller Herren Länder. Martin erzählte ein paar lustige Anekdoten und langsam kehrte die gelöste Stimmung zwischen ihnen zurück. Als sie beschlossen zu gehen, zog Martin Kira auf die Füsse und sie landete direkt in seinem Arm. Ein warmes Gefühl breitete sich in ihr aus. Er zog sie noch ein wenig fester an sich und begann, sie ganz vorsichtig zu küssen. Seine Lippen strichen über die zarte Haut an ihrem Hals und er knabberte zärtlich an ihrem Ohrläppchen. Ihr Unterleib zog sich pulsierend zusammen und sie fühlte ein ungekanntes Verlangen in sich aufsteigen. Er senkte seine Lippen auf ihren Mund und küsste sie weich und zärtlich. Ihre Lippen öffneten sich und sie verschmolzen in einem immer leidenschaftlicher werdenden Kuss. Behutsam streichelten seine warmen Hände über ihren nackten Bauch. Kira dachte sie würde vor Lust vergehen, als seine tastenden Fingerspitzen ihre harten Brustwarzen berührten. Sie steckte ihre Hände unter sein hellblaues Poloshirt und berührte seinen Rücken. Ein Schauer der Erregung rann Martin über die Haut. Plötzlich hörten sie laute Stimmen hinter sich und drehten sich um. Eine ganze Schar Touristen steuerte genau auf sie zu. Da der verzauberte Moment so schlagartig verdorben war, gingen sie Hand in Hand zurück. Kira fühlte sich wie auf einer rosaroten Wolke und als sie Martin verklärt anlächelte, strahlte er sie ebenso verliebt an. Zu viele Leute waren unterwegs und Martin versuchte nicht noch einmal sie zu küssen. “Wie süss,” dachte Kira “er will mich wohl nicht ins Gerede bringen…” und kicherte leise vor sich hin. Sie schlenderten noch einige Zeit durch die Stadt und Martin sagte bedauernd: “Ausgerechnet heute ist ein wichtiges Meeting im Tourismusbüro, wo alle Guides erscheinen müssen. Ich würde den Abend viel lieber mit dir, ganz allein, verbringen.” Kira war etwas enttäuscht, erinnerte sich aber an die Show heute Abend und dass sie versprochen hatte, zu kommen. Also fuhr Martin sie im Jeep zurück zum Hotel. Er sagte: “Bitte gib mir deine Handynummer. Ich rufe dich an und wir machen etwas zusammen. Okay?” Kira sagte ihre Nummer an und Martin speicherte sie auf seinem Handy. Kurz vor dem Hotel hielt er noch einmal an und nahm ihr Gesicht in beide Hände. “Bitte nicht traurig sein Kira. Wir haben alle Zeit der Welt. Alles wird wunderschön - ich verspreche es dir.” und er küsste sie noch einmal ganz zärtlich.




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Mittwoch, 15. Mai 2013

11. Kapitel / 2



“Wie geht es der kleinen Lady? Deinem Findelkind?” Martin überlegte kurz was sie meinte und dann erhellte ein weiches Lächeln sein Gesicht. “Ich habe sie zu Jutta und Jasmin gebracht. Dort bekam sie ein Bad mit Ungeziefershampoo und ein Mittel gegen innere Parasiten. Das Welpenaufbaufutter verträgt sie gut und futtert tüchtig in sich hinein. Jasmin massiert die schlimme Beule mehrmals täglich mit einer speziellen Creme. Gestern Abend habe ich sie besucht und denke, wenn Lady nicht krank wird, kann sie es schaffen. Das Fell sieht zwar noch schlimm aus, aber die Kleine ist aufgeweckt und spielt den ganzen Tag. Wenn du möchtest, nehme ich dich einmal mit zu Jutta und Jasmin. Ich glaube, ihr würdet euch gut verstehen.” Sie fuhren die Kira nun schon bekannte Strasse in Richtung Santa Barbara de Samanà entlang. Kira fragte, warum die Strassen in so einem schlechten Zustand sind und Martin berichtete ihr, dass im nahegelegenen El Valle derzeit ein Grossprojekt am Entstehen ist. “Hier in der Region haben viele Haushalte noch kein fliessendes Wasser und mit der Stromversorgung sieht es auch nicht viel besser aus. Der im Bau befindliche Aquadukt soll das Problem lösen. Deshalb müssen alle Strassen aufgerissen und neue Wasserleitungen zu jedem Haus gelegt werden. Die Dominikanische Republik ist kein reiches Land und es gibt nicht so viele Strassenbaumaschinen. Deshalb dauert es eine ganze Weile, bis die Strassen wieder in ordentlichem Zustand sein werden. Das ist nicht zu ändern, dafür werden in 2 - 3 Jahren alle fliessendes Wasser und Strom haben. Wenn wir durch Santa Barbara de Samanà fahren, kannst du sehen, dass fast jedes Geschäft einen Generator vor der Tür hat. So können, auch bei Stromausfall, die Kunden weiter bedient werden.” Kira staunte, das hatte sie nicht geahnt. “Und wo wohnst du?” fragte sie ihn. “In einem ruhigen Stadtteil am oberen Rand der Stand. Und ja, ich habe fliessendes Wasser.” grinste er. “Auf meinem kleinen Haus steht ein Wassertank, deshalb ist es für mich nicht so schlimm, wenn es mal tagelang kein Wasser gibt. Bei der Elektrizität ist es etwas anderes. Am Tag ist meistens für einige Stunden Stromausfall. Aber ich arbeite ja den ganzen Tag über und abends gibt es in der Regel Strom.” Er sah, dass Kira in Gedanken versuchte sich vorzustellen ohne ganztägig Strom und Wasser zu leben. “He, es ist nicht wirklich schlimm. Ich habe mich schon so daran gewöhnt, dass es mir kaum noch auffällt.” lachte er. Aber Kiras Blick blieb skeptisch. Sie hatten Santa Barbara de Samanà erreicht und Martin zeigte und erklärte ihr Alles was sie sahen. Unterwegs hielt er kurz an und kaufte Getränke und heisse Empanadas. In einer Apotheke besorgte er für Kira Erkältungsmedizin, denn ihr Niesen wollte einfach nicht aufhören. Dann fuhren sie über eine Buckelpiste am geplanten Hafengelände entlang und erreichten bald darauf ihr Ziel. Während Martin den Jeep parkte, schaute Kira neugierig um sich. Am Strand eines grossen 5-Sterne-Hotels begann der Weg zur Brücke und über hunderte von Stufen gelangten sie auf den höchsten Punkt eines kleinen bewaldeten Berges. Hier beginnt die Brücke. Es war zu sehen, dass ihre besten Tage schon lange zurück lagen. Das ehemals vorhandene Geländer fehlt fast vollkommen, Reste einer Beleuchtung gammeln vor sich hin und auch der Beton bröckelt an manchen Stellen ganz gewaltig. “Du brauchst keine Angst haben, die Brücke ist immer noch sicher, auch wenn es nicht unbedingt so aussieht. Komm!” sagte Martin zu Kira und nahm sie an der Hand. So schlenderten sie händchenhaltend über die Brücke und Kira schaute auf das tief unter ihnen liegende Meer. 



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