Sonntag, 28. April 2013

6. Kapitel / 2



Als Samantha sich einigermassen beruhigt hatte, verließen die jungen Frauen das Restaurant. Welch ein Wunder - die Sonne strahlte heiss von einem wolkenlosen Himmel! Herr Ramirez, der die Verwunderung auf ihren Gesichtern lesen konnte, lachte und meinte: Tja, so ist das in der Dominikanischen Republik. Wo eben noch graue Wolken hingen, lacht einen Moment später schon wieder die Sonne! Das ist wie im Leben, mal sieht es düster und bedrohlich aus, aber es gibt immer wieder Licht am Ende des Tunnels!
Den Rest des Vormittages verbrachten die Beiden am Pool. Faul räkelten sie sich auf den Sonnenliegen und wenn es gar zu heiss wurde, sprangen sie in das kühle Wasser desSchwimmbeckens. Der diensthabende Kellner hieß Manuel und versorgte sie ständig mit neuen leckeren Vitamindrinks aus einheimischen Früchten und Kokosmilch, natürlich ohne Alkohol. Gerne hätte er mit den Mädels angebandelt, aber zum Flirten war Beiden nicht zumute. Sam hatte sich ein Buch mitgebracht und schmökerte, während Kira versuchte die ersten Sätze ihres Reiseberichtes zu Papier zu bringen. Immer wieder zerknüllerte sie die gerade beschriebene Seite und allmählich wuchs ein kleiner Papierberg. Lass es doch einfach! Wenn dir heute nichts Gescheites einfällt, kann das schöne Papier doch auch nichts dafür! Denk dran - tranquilo heisst das Zauberwort! neckte Samantha sie. Wahrscheinlich hast du recht, ich schreibe einfach morgen oder wenn es wieder einmal regnet. grinste Kira. Thomas und Katrin kamen auch zur Poollandschaft und die Zeit verging im Flug, während der lustige Thomas Witze zum Besten gab. Später gesellten sich Heidrun und Micha dazu und zeigten Fotos die sie mit der Digitalkamera aufgenommen hatten. Hauptsächlich waren es Naturbilder und Kira staunte über die Schönheit von Kolibris, Schmetterlingen und kostbaren Blüten. Allerlei Aufnahmen von einfachen Hütten samt ihren Bewohnern, Fischerboote mit ihrem Fang und das Treiben auf dem Markt waren  außerdem dabei. Und es gab Fotos von ihrem Walausflug und Kira sah einen lachenden Martin mit vom Wind zerzaustem Haar. Sie ertappte sich dabei, länger als nötig das Display anzustarren und gab die Kamera dann schnell weiter. Dabei kam ihr die Idee, auch ein paar Fotos zu schiessen, um damit ihren Reisebericht aufpeppen zu können. Micha hatte an der Bar eine Runde Sekt bestellt und als Manuel den servierte erklärte er: Meine Heidrun hat heute Geburtstag und auch wenn sie Geburtstage dämlich findet, ist es doch ein Grund zum Anstossen! Mit grossem Hallo wurde die Neuigkeit aufgenommen und Heidrun, der es sichtlich peinlich war, wurde ausgiebig gratuliert. Als Heidrun und Samantha später die Toilette aufsuchten, verriet Micha: Ich habe für heute Abend ein romantisches Candlelightdinner am Strand in Auftrag gegeben und möchte euch Alle dazu einladen. Miguel natürlich auch. Aber es soll eine Überraschung werden und Heidrun darf absolut nichts davon erfahren! Wieder gab es ein grosses Hallo und als die beiden Mädels zurückkamen, schmunzelten alle nur wissend vor sich hin.  Langsam rückte die Mittagszeit näher und die fröhliche Runde löste sich auf, um noch vor dem Essen zu duschen. Kira weihte nun Sam in das Geheimnis ein und die fand es supersüss und oberromantisch. Spontan entschieden die Beiden am Nachmittag in den Ort zu gehen und ein kleines Geschenk für Heidrun zu kaufen. Schon beim Mittagessen überlegten sie, was ihr wohl gefallen könnte. Samantha wollte eine CD mit den neuesten Bachatta-Hits erwerben und Kira tendierte zu etwas kunstgewerblichen. Der CD-Verkäufer freute sich, dass die hübschen Urlauberinnen diesmal etwas einkauften und er beriet Sammy bei der Auswahl der CD für Heidrun fachmännisch. Bei der Gelegenheit suchte Sam für sich selbst drei Aventura-CDs und zwei Sampler mit typisch dominikanischen Rhythmen aus. Auch Kira liess sich vom Kaufrausch anstecken und erstand für sich ebenfalls einheimische Musik, Bachatta und Merengue. Im Ort statteten sie natürlich Miguel einen Besuch im Geschäft ab und Kira fand als Geschenk für Heidrun, die, wie sie wusste leidenschaftlich gern kochte, einen schön mit Schnitzereien verzierten Holzmörser und ein mit gleichem Muster versehenes Platano-Brettchen. Sie wusste nicht genau, was man damit anstellt, aber Miguel liess sich nicht lange bitten und erklärte den Verwendungszweck. Sam fand das sehr witzig, denn Heidrun würde in Deutschland wohl kaum Kochbananen finden oder um deren Zubereitung wissen. Aber Kira meinte, dass es für Dekozwecke bestens geeignet wäre und kaufte die beiden Stücke. 

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Samstag, 27. April 2013

6. Kapitel / 1



Katerstimmung am Morgen

Am nächsten Morgen regnete es und dicke Wolken hingen über dem Paradies. Kira, in deren Kopf ein Dampfhammer dröhnte, zog sich die Decke über den Kopf und wollte nie wieder das kuschelige Bett verlassen. Leise schlich sich Samantha ins Zimmer. Wohl ahnend in welchem Zustand sich die Freundin befinden würde, hatte sie für Kira Aspirin besorgt. Vorsichtig zog sie die Bettdecke zurück und grinste Kira aufmunternd an. Aus der Minibar hatte sie eine Flasche Wasser genommen und gab Kira die Tablette. Schweigend setzte sie sich auf den Bettrand und wartete, dass es dem Alkoholopfer besser ging. Nach einer Weile rappelte sich Kira auf und bevor Sam ihre neugierigen Fragen loswerden konnte, stürzte sie ins Badezimmer. Geduscht und in einen flauschigen Hotelbademantel gewickelt, kam Kira aus dem Bad und sah nicht mehr ganz so zerknittert aus wie vor 15 Minuten. Und? fragte Sam. Was, und? stellte Kira, die genau wusste was Sammy so brennend interessierte, brummend ihre Gegenfrage. Sam beschloss sie erstmal in Ruhe zu lassen und machte einen Vorschlag: Du ziehst dich jetzt gemütlich an und ich hole dich dann zum Frühstück ab. Nach einem guten Kaffee und einem Katerfrühstück sieht die Welt gleich wieder freundlicher aus. Kira zeigte sich einverstanden und die Freundin zog ab. Als sie eine Weile später im Restaurant bei einer Tasse Kaffee sassen, kam Carlos strahlend wie ein Honigkuchenpferd an ihren Tisch. Auf einem Tablett servierte er Kira einen unbekannten Drink und eine dunkelrote Rose. Er begrüsste Samantha mit einer angedeuteten Verbeugung und drückte Kira einen Kuss auf die Stirn. Wie geht es dir, Seesternchen? Ich habe dir ein Glas Medizin mitgebracht. Trink, auch wenn es nicht gut schmeckt. Ich schwöre, in fünf Minuten fühlst du dich wie neu geboren. Es ist das Geheimrezept meiner Urgrossmutter und hat mir auch schon oft geholfen. Kira schaute kläglich zu ihm auf und nahm einen kleinen Schluck des Gebräues. Es schmeckte sauer, bitter und salzig zugleich - absolut undefinierbar aus welchen Zutaten das Getränk gemixt wurde. Carlos bestand darauf, dass sie austrinkt und tapfer schluckte Kira den Rest der Flüssigkeit herunter. Carlos nickte zufrieden und erklärte, dass es bedauerlicher Weise zur Show-Probe müsse und den ganzen Tag keine Zeit für Kira hätte. Mi Estrella de Mar, mi linda Estrella, heute Abend gehöre ich nur dir! Geniesse den Tag! Ich werde dich zu finden wissen! Er küsste Kira nochmals auf die Stirn und verabschiedete sich bei Sam. Damit verschwand er. Wow, der legt sich ja ins Zeug! konstatierte Samantha. Sie löcherte Kira so lange mit Fragen, bis der nichts anderes übrig blieb, als alles was sie über Carlos wusste, haarklein zu erzählen. Unterdessen hatte der Trank wahre Wunder gewirkt und Kira verspürte einen heftigen Hunger. Als beide es sich mit hochgepackten Tellern voller Frühstücksleckereien wieder am Tisch bequem gemacht hatten, konnte sich Sammy ihren Kommentar nicht länger verkneifen: Also weisst du, ein Animateur! Das sind doch alles Weiberhelden, die es nur darauf abgesehen haben, so viele Frauen wie möglich flachzulegen. In der Türkei z.B. laufen jedes Jahr Wetten, wer der Beste Aufreisser ist und die prahlen überall mit ihren Eroberungen, das habe ich selbst erlebt. Lass besser die Finger von dem, bevor er dir das Herz bricht. Oder hat er dich etwas schon? erschrocken starrte Sammy ihre Freundin an. Kira antwortete mit weinerlicher Stimme: Na eben nicht! Ich wollte schon, aber er hat mich einfach alleine ins Bett geschickt! Da hast du aber wirklich Glück gehabt! erleichtert biss Samantha in die nächste Semmel. Kira überlegte, ob es wirklich so ein Glück war, kam aber zu keinem Abschluss ihrer Gedanken, weil jetzt Sam herzerweichend seufzte. Bei dir läuft doch alles bestens, warum machst du denn so ein trauriges Gesicht? wollte Kira nun ihrerseits in Erfahrung bringen. Na das ist ja gerade das Dilemma! Mit Miguel und mir, das könnte wirklich Liebe sein. Aber in anderthalb Wochen fliege ich nach Hause und dann? Was soll aus uns werden? Fernbeziehung. lautete Kiras lakonische Antwort. Dafür bin ich wirklich nicht gemacht. Wenn ich verliebt bin, will ich möglichst jede freie Minute mit meinem Schatz verbringen. Eine Fernbeziehung würde mich fertigmachen. Miguel hat mich schon inständig gebeten hier bei ihm zu bleiben. Aber was wird mit meinem Leben in Deutschland? Meine Arbeit, meine Freunde, meine Familie und Minka, meine Katze? Bevor Sammy nun losheulen konnte vor lauter Verzweiflung, nahm Kira sie tröstend in die Arme. Sammy, nicht weinen! Schau, Du bist erst ein paar Tage hier und hast noch anderthalb Wochen vor dir. In der Zeit findet sich bestimmt eine Lösung für das Problem. Ich helfe dir beim Überlegen, uns fällt garantiert ein Ausweg ein. während Kira das sagte, zweifelte sie selbst an ihren Worten. Aber Miguel würde bestimmt eine Lösung wissen.

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Freitag, 26. April 2013


Hallo liebe(r) Leser(in)!

Gefallen Dir die Abenteuer von Kira oder Samantha? 
Ich freue mich sehr ueber hilfreiche Kommentare und Anmerkungen!

Schreibt mir!
Eure Manuela 

5. Kapitel / 3



Ein verschlungener Weg durch den Hotelgarten führte zur Diskothek, die in einem etwas abgelegenerem Teil  untergebracht war. In typisch karibischen Stil war die Disco halboffen angelegt und mit einem Dach aus Palmenwedeln gedeckt. Eine Bar und Hocker aus Bambusholz, gemütliche Rattansofas und Schaukelstühle passten stilecht dazu. Die Dekoration aus Palmblättern, Orchideenblüten und Kerzenarrangements in ausgehöhlten Kokosnüssen gaben dem Ganzen den letzten Pfiff. Die Musik aus den versteckt angebrachten Lautsprechern unterstrich das karibische Flair zusätzlich. Um diese Uhrzeit war noch nicht allzu viel los und sie fanden eine freie Sitzgruppe mit genügend Platz für Alle. Eine sehr nette Kellnerin brachte die Cocktailkarten und die jungen Leute studierten sie eingehend. Kira konnte sich nicht entscheiden und blätterte unschlüssig zwischen den Seiten hin und her. Wie wärs mit Sex on the Beach? fragte eine Stimme direkt neben ihrem rechten Ohr und Kira lächelte verträumt. Als alle anderen laut loslachten, wurde ihr bewusst, dass es nur um die Auswahl der Getränke ging und sie drehte sich wütend zu dem Frager hinter sich um. Oh nein, nicht schon wieder dieser arrogante Martin! dachte sie und funkelte ihn mit vor Ärger ganz dunklen Augen an. Du siehst so niedlich aus, wenn du wütend bist! raunte er ihr grinsend zu und nahm ihr gegenüber in dem freien Schaukelstuhl Platz. Die Bedienung kam wieder an den Tisch und Kira bestellte demonstrativ einen Rotweincocktail. Der DJ legte einen Bachatta auf und die Tanzfläche füllte sich. Auch Heidrun und Micha gingen tanzen. Während Thomas von den Erlebnissen des Tages erzählte, beobachtete Kira ganz genau wie die Pärchen sich zum Takt des beschwingten Songs bewegten. Sie hatte zwar an einem Tanzkurs teilgenommen, aber Bachatta war ihr völlig neu. Martin folgte ihren Blicken und erklärte: Es ist eigentlich ganz leicht und ähnlich wie Discofox, nur jeweils ein Schritt mehr. Wollen wir es versuchen? Kira, die absolut keine Lust auf Körperkontakt mit dem Blödmann hatte, lehnte hastig ab. Martin zuckte die Schultern und ging stattdessen mit Samantha zur Tanzfläche.  Da nun auch Thomas und Katrin beschlossen das Tanzbein zu schwingen, saß Kira einsam und verlassen am Tisch und beobachtete die tanzenden Paare. Dieser Martin ist ein guter Tänzer. musste sie denken und beneidete ihre Freundin ein wenig darum in seinen starken Armen zu liegen. Aus Langeweile leerte sie ihren Drink und orderte auch gleich Nachschub. Martin schaute zu ihr herüber und sie tat so, als würde sie etwas in ihrer Handtasche suchen. Deshalb bemerkte sie auch den jungen Dominikaner nicht, der sich ihr schnurstracks näherte. Mit einem Kniefall verbeugte der sich vor ihr und überreichte ihr einen Orchideenzweig mit violetten Blüten. In einem etwas ungelenken Deutsch mit unverkennbar spanischem Akzent sprach er Kira an: Eine schöne Blume für die allerschönste Frau, die ich je sah. Bitte tanzen Sie mit mir! Bitte! Sonst bricht mir das Herz! Aus grossen dunklen Augen schaute er Kira treuherzig an und Kira liess sich von ihm zur Tanzfläche führen. Galant nahm er sie in den Arm und führte sie zu den Klängen der Musik. Ob es am Alkohol lag oder am Tanzpartner? Auf jeden Fall fühlte Kira sich leicht und beschwingt und die Schrittfolge des Bachatta stellte keine Schwierigkeit dar. Während des Tanzes erzählte ihr Carlos, dass er als Animateur im Paradiso arbeitet, 28 Jahre alt ist, eigentlich aus San Pedro de Marcoris stammt und sie unbedingt kennenlernen möchte. Außerdem überhäufte er sie mit unzähligen Komplimenten.  Kira, die dem melodischen Klang seiner Stimme fasziniert lauschte, stellte fest, dass Carlos nicht nur supergut tanzen kann, überaus charmant und witzig spricht, sondern auch toll aussieht und sehr lecker riecht. Um eine kleine Tanzpause einzulegen, liess sie sich von ihm an die Bar führen und er bestellte ihr einen Paradiso-Spezial-Cocktail. Martin und Sammy, die schon vor einiger Zeit an ihren Tisch zurückgekehrt waren, schauten besorgt zu Kira  hinüber und Martin runzelte dabei verärgert die Stirn. Kira bemerkte davon allerdings nichts, zu sehr war sie in den Flirt mit Carlos vertieft. Bald darauf tauchte Miguel auf und Samantha hatte nur noch Augen für ihn. Kira tanzte die ganze Nacht mit Carlos und fühlte sich richtig gut. Wann hatte sich ein attraktiver charmanter Mann das letzte Mal dermassen um sie bemüht und war so liebevoll zu ihr? Kira konnte sich nicht daran erinnern jemals so aufmerksam umsorgt worden zu sein. Bei einem langsamen Schmusesong küsste Carlos ihr zärtlich die Handinnenfläche und legte ihren Arm um seinen Hals. Seine Hände glitten streichelnd über ihren Rücken und sie genoss die Zärtlichkeiten. Er zog ihr die Spange aus dem Haar und wie ein goldener Vorhang fielen ihr die sanften Wellen bis weit über die Schultern. Carlos küsste ihren Scheitel und dann ihren Hals und heisser flüsterte er: Kira, ich will dich, ich bin total verliebt in dich! Martin, der die Szene genau beobachtet hatte, sprang aus seinem Schaukelstuhl und stürmte grußlos davon. Die drei Pärchen am Tisch warfen sich bedeutungsvolle Blicke zu und Thomas meinte: Na, entweder ist ihm schlecht geworden oder er ist ein kleines bisschen eifersüchtig. Der Alkohol wirkte bei Kira jetzt ziemlich stark und sie fühlte sich benommen und sehr müde. Sie wollte nur noch in ihr Bett und Carlos bestand darauf, sie zu ihrem Hotelzimmer zu bringen. Sammy wollte ihre Freundin lieber ins Bett bringen, aber Carlos lass sich nicht abweisen. In der angenehm kühlen Nachtluft wurde Kira wieder etwas besser und der Nebel in ihrem Kopf lichtete sich. Carlos hielt sie fest im Arm und geleitete sie bis zu ihrer Zimmertür. Dort nahm er sie in den Arm und küsste sie. Der Kuss begann weich und sehr zärtlich und Kira erwiderte ihn. Nun küsste Carlos sie leidenschaftlich und streichelte ihren Rücken, die Arme, den Hals und seine Fingerspitzen zeichneten die Rundungen ihrer Brüste nach. Kira fühlte einen wohligen Schauer durch ihren Körper beben und drängte sich mit ihrem ganzen Körper an ihn. Abrupt beendete Carlos den Kuss und schob sie sanft von sich. Mi Amor, ich bin leidenschaftlich in dich verliebt und will es genau so sehr wie du. Aber du hast ein bisschen zuviel getrunken und ich möchte nicht, dass du es Morgen bereust. Bitte geh jetzt schlafen, ich sehe dich beim Frühstück. Kira, derart zurückgewiesen, wollte eine schnippische Antwort geben, aber in ihrem Kopf befand sich ein Vakuum und sie fügte sich ergeben in ihr Schicksal. Carlos wartete bis drinnen das Licht ausging und machte sich schwer seufzend auf den Weg zu seinem Quartier.

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Donnerstag, 25. April 2013

5. Kapitel / 2


Dabei wanderte ihr Blick in die Baumkrone. Irgendwie kam ihr der Baum bekannt vor. Nach ein paar Minuten des Überlegens kam sie darauf, dass der kleine Bruder in ihrem Wohnzimmer als Ficus Benjamini sein eher mickriges Dasein fristete. Dabei fiel ihr ein, dass sie Babsi gar nicht gebeten hatte ihre wenigen Zimmerpflanzen zu giessen. Und dann merkte sie schuldbewusst, dass sie bisher noch nicht einmal an Babsi, Lizzy oder ihre Mutter gedacht hatte. Bei so vielen neuen Eindrücken ist es gar kein Wunder, wenn ich nicht an zu Hause denke. Dazu fehlt einfach die Zeit. tröstete sie sich selbst. Miguel sprintete in das Geschäft um neu eingetroffene Kunden zu bedienen und Sam schlug vor wieder ins Hotel zu gehen. Natürlich wollte sie sich vorher noch von ihrem Schatz verabschieden. Miguel winkte quer über die Strasse und ein Motorrad hielt neben ihnen. Er redete kurz mit dem Fahrer und danach mit Sammy. Das ist ein Moto-Concho, so etwas wie ein Motorrad-Taxi und Miguel meint, der Weg wäre zu weit zum Laufen und hat das Concho schon für uns bezahlt. Sollen wir etwa zu dritt auf einem Moped fahren? fragte Kira entsetzt. Aber Sam winkte nur ab und meinte: Wir sind hier in der Dominikanischen Republik, da ist halt Alles ein wenig anders. Kira fügte sich und ihre anfängliche Angst legte sich schnell, als sie merkte wie sicher der Fahrer das Motorrad lenkte. Unbequem war es auch nicht, denn am Moto-Concho gab es ein drittes Paar Fussrasten. Beim Abendessen sassen sie mit Heidrun und Micha und Katrin und Thomas, zwei jungen Pärchen die schon lange mit Sam befreundet waren, an einem Tisch. Es ergab sich, dass Jemand vorschlug am Abend die hoteleigene Diskothek zu besuchen und so verabredeten sich alle für den späteren Abend. Kira stand nach der Dusche nur in ein Handtuch gehüllt vor dem grossen Spiegel in ihrem Zimmer und fönte sich die Haare. Als es klopfte rief sie, in der Annahme dass es Sammy ist, komm rein, die Tür ist offen! Als plötzlich der Fön versagte, schaute sie auf und im Spiegel trafen sich ihre Augen mit den unglaublich kornblumenblausten Augen die sie je gesehen hatte: Martin! Vor lauter Schreck liess sie den Fön fallen und hielt krampfhaft ihr schon leicht verrutschtes Handtuch über dem Busen fest. Martin musterte sie langsam von oben bis unten und sein Blick blieb an ihren schlanken schon leicht gebräunten Beinen hängen. Dann schmunzelte er sie vielsagend an. Ohne ein Wort hielt er ihr das verloren geglaubte Handtäschchen hin. Kira fand endlich die Sprache wieder und fragte mit piepsigem Stimmchen: Hast du sie auf dem Schiff gefunden? Worauf er bestätigend nickte, die Tasche auf den Tisch legte bis später rief und wieder verschwand. Kira versagten fast die Beine und sie musste sich erstmal hinsetzen und tief durchatmen. Kurz darauf erschien Samantha und fragte: Hast du einen Geist gesehen oder so etwas in der Art? Du siehst aus, als könntest du einen Schnaps gebrauchen! sie holte Rum und Cola aus der Minibar und mixte zwei Cuba Libre und drückte einen der Freundin in die Hand. Hastig leerte Kira ihr Glas und allmählich kehrte die Farbe in ihre Wangen zurück. Sammy, die inzwischen die Handtasche auf dem Tisch gefunden hatte, reimte sich die Story zusammen und grinste wissend. Ich habe mit Miguel telefoniert, er kommt dann auch noch. Los Mädchen, zieh dir was an, die anderen warten bestimmt schon! Gehorsam ging Kira ins Bad und kleidete sich an. Sie hatte ein schwarzes Neckholder-Top mit vielen kleinen Glitzersteinen am spitz zulaufenden Dekollete und einen knielangen weit schwingenden schwarzen Taftrock für den Discobesuch ausgewählt. Als Farbtupfer band sie einen weichen Wildledergürtel in erdbeerrot um ihre schlanke Taille und zog hochhackige Slingpumps im gleichen Farbton dazu an. Sammy trug ein kurzes Kleid aus champagnerfarbener Spitze und sah zart wie eine Elfe darin aus. Eilig verließen die Beiden das Zimmer und trafen in der Hotellobby die bereits wartenden Pärchen. 

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